Weihnachtsbrauch:Der Nikolaus als Ich-AG

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Weihnachtsbrauch: Besondere Kennzeichen: weißer Rauschebart, roter Mantel. Ein Nikolaus auf seinem Arbeitsweg durch den Englischen Garten.

Besondere Kennzeichen: weißer Rauschebart, roter Mantel. Ein Nikolaus auf seinem Arbeitsweg durch den Englischen Garten.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

Immer weniger Nikoläuse werden von Agenturen vermittelt. Und auch bei der Nachfrage hat sich einiges verändert.

Von Nils Frenzel

Die Arbeitswelt ändert sich, auch für den Nikolaus. Nach den Corona-Jahren, in denen viele Familienfeiern nicht im großen Rahmen stattfinden konnten, haben Nikolaus-Agenturen zunehmend Probleme, den heiligen Mann mit weißem Rauschebart und rotem Mantel zu vermitteln.

Seit Jahren schon gebe es immer weniger Darsteller, die als Nikoläuse verkleidet auftreten wollen, sagt Sebastian Moser von der Personalvermittlung Jobcafe in München. In der Vermittlungsagentur herrscht ein akuter weihnachtlicher Fachkräftemangel. Waren es vor fünf Jahren noch bis zu zwölf Nikoläuse, die über seine Personalvermittlung gebucht werden konnten, vermittelt die Agentur heute nur zwei aktive Nikolaus-Darsteller. Anfragen für private Familienfeste erreichen die Jobvermittlung auch immer weniger.

Ein Trend, der sich bundesweit bestätigt. Bis zum Jahr 2020 hat die Arbeitsagentur in vielen Regionen Nikoläuse und Weihnachtsmänner vermittelt. Mittlerweile finden Vermittlungen durch sie nur noch in einzelnen Städten wie Bremen, Hannover oder Augsburg statt.

Das bedeutet aber nicht, dass es in der bayrischen Landeshauptstadt keine Nikoläuse mehr gibt. Einer, der den Job schon seit mehr als 15 Jahren macht, ist Klaus Granvogl. Die Begeisterung für seine Arbeit hält bis heute an. "Mir gefällt, dass man nie so recht weiß, was einen erwartet", sagt er, "jeder Auftritt ist immer etwas Besonderes."

Von einer Job-Flaute oder eine Nikolaus-Krise spürt er nichts. Im Gegenteil. In diesem Jahr hat er bis zu fünf Nikolaus-Auftritte am Tag, zwischen dem 3. und dem 6. Dezember kommt er zusammengerechnet auf fast 20 Auftritte.

Allerdings würden viele Buchungen und Anfragen nicht mehr über Agenturen laufen, sondern über direkte Empfehlungen. "Mundpropaganda eben", so Granvogl. Er selbst wirbt auch auf einem Kleinanzeigenportal. Der Trend geht generell zur Selbstvermarktung. Die Nikoläuse werden zur Ich-AG.

Und noch ein Trend ist aus der Szene zu vernehmen: Der Nikolaus wird in diesem Jahr auffällig oft von Eltern für Kinder gebucht, die inzwischen nicht mehr an ihn glauben. Corona hat offenbar für einen gewissen Nachholbedarf gesorgt.

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