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Neuried:Umstrittene Mischung

Die CSU wünscht sich mehr Holz im Neubau der Grundschule und fühlt sich von der Verwaltung schlecht informiert

Von Johannes Korsche, Neuried

Überrascht seien sie gewesen, als sie die Unterlagen für den Teilneubau der Grundschule gesehen hätten, schreibt CSU-Fraktionssprecher Martin Zimmermann an die Gemeindeverwaltung. Schließlich hatten die Gemeinderäte schon im vergangenen Jahr einstimmig entschieden, dass bei dem Neubau, der den statisch nicht mehr zu rettenden Gebäudetrakt hinter dem Bauamt ersetzen soll, sowohl Beton als auch Holz zum Einsatz kommen soll. Hybrid-Bauweise nennt sich das dann. Bei der Vergabe der Arbeiten für den Rohbau blickten die CSUler in die vorgelegten Pläne und stellten fest: Für ihren Geschmack ist da zu wenig Holz zu sehen. Demnach wird die Schule "abgesehen von der Fassade vollständig als Betonbaukörper" gebaut, schreiben sie. Das sei eine in ihren Augen, "grundsätzliche Änderung der Bauausführung", die eben jener einstimmigen Entscheidung für eine Schule aus Beton und Holz widerspreche. Bauamtsleiter Andreas Braun sieht das anders. Eine grundsätzliche Änderung beim Schulneubau ist "aus Sicht der Verwaltung nicht erkennbar".

"Wir haben seit dem Beschluss nichts mehr gehört", sagt Marianne Hellhuber (CSU). Deswegen sei die Fraktion davon ausgegangen, dass zum Beispiel auch die Wände zwischen den Klassenzimmern aus Holz sein werden. "Wir waren auch in anderen Schulen und haben uns das angeschaut", erinnert sie sich. Bautechnisch gebe es also Möglichkeiten, schlussfolgert sie. Dass es nun beim Teilneubau der Grundschule "überraschend" anders in den Plänen steht, habe die Fraktion "aus Zufall entdeckt". Und da gelangt man zum eigentlichen Kern der Kritik: Über die Gründe, warum die Zwischenwände aus Beton sein sollen, "wissen wir gar nichts". Die CSU bemängelt daher, dass der "Informationsfluss nicht kam", sagt Hellhuber.

"Es ist so hybrid, wie es möglich ist", entgegnet Braun. Zudem sei der Beschluss vom Februar 2019, auf den sich die CSU-Fraktion bezieht, "offen formuliert". Tatsächlich entschieden sich die Gemeinderäte damals lediglich für "eine weitere Planung des Teilneubaus in Hybrid-Bauweise". Eine weitere Festschreibung findet sich nicht. Auch weil zum Zeitpunkt des Beschlusses zum Beispiel Brand- und Schallschutz noch keine Rolle gespielt hätten, sagt Braun. Das sei "unter den Vorgaben zur Wirtschaftlichkeit und der Genehmigungsfähigkeit" inzwischen einbezogen. Darauf fußen die derzeitige Pläne, die zu Erstaunen in der CSU-Fraktion führten.

Zur Bauweise beschlossen die Gemeinderäte in den darauffolgenden Monaten nur noch, dass eine "Holzfassade, welche durch farbige Faserzementfassadenplatten unterbrochen wird", gewünscht ist. Alles in allem erkenne die Verwaltung keine "grundlegende Änderung von der ursprünglich beschlossenen Bauweise", so Braun. Schon gar keine, die den Beschlüssen des Gemeinderats widerspräche.

Ohnehin sei die Entscheidung für eine Mischung aus Holz und Beton "nicht nur 'der Sache wegen', also zum Zweck eines möglichst hohen 'Mischanteils'" getroffen worden, schreibt Braun an die CSU. Sondern "in erster Linie zur Sicherung der physiologischen (Raumempfinden) und bauphysikalischen (Absorptionsfähigkeit) Vorteile". Frei übersetzt: Holz werde verwendet, damit sich die Schüler in ihrer Schule wohlfühlen, nicht nur, damit sich Neuried mit einem Holzbau schmücken kann. Diese Ziele seien weiterhin gewahrt, betont er.

Die CSU-Fraktion will sich das Vorgehen nun vom Architekten erklären lassen. Und hat deswegen beantragt, Peter Oppenheimer vom beauftragten Architekturbüro G+O in die nächste Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Dienstag, 16. Juni, 19 Uhr, einzuladen. Davon erhofft sich Marianne Hellhuber mehr Informationen und eine Antwort darauf, "ob es nicht anders auch möglich wäre".

© SZ vom 09.06.2020

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