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Neuried:Leitplanken für die Ortsmitte

Vor dem Ideenwettbewerb zum neuen Zentrum diskutieren die Gemeinderäte intensiv über das Verhältnis von Wohn-, Gewerbe- und Einzelhandelsflächen. Der Auslobungstext könnte nächste Woche verabschiedet werden

Von Johannes Korsche, Neuried

Es war eines der Hauptthemen im örtlichen Wahlkampf, nun ist die Debatte darüber, wie die Neurieder Ortsmitte einmal aussehen soll, im politischen Alltag angekommen. Soll heißen, die Gemeinderäte diskutieren derzeit, welche Vorgaben sie den Architekten und Investoren bei der Planung der nördlichen Ortsmitte mitgeben wollen. Dafür brachten Grüne und SPD in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung einen gemeinsamen Antrag ein, der in groben Zügen festschreiben wollte, wie das Verhältnis zwischen Gewerbe, Gastronomie und Wohnen einmal sein soll. Mit der Idee, dabei der Gemeinde langfristig bezahlbaren Wohnraum im Ortskern zu sichern. Erst nach kontroverser Debatte und einigen Änderungen ging der Antrag durch.

Der Antrag sah vor, den Städteplanern für den anstehenden Ideenwettbewerb "Leitplanken" vorzugeben, wie viel Quadratmeter der jeweiligen Nutzung zugeschrieben werden können. In den kommenden Monaten werden mehrere Architekturbüros der Gemeinde Entwürfe vorstellen, von denen schließlich eine Variante realisiert wird. Der Antrag wolle für die Entwicklung der Ideen sowohl Freiheiten, als auch Anhaltspunkte geben, sagte Dieter Maier (Grüne) bei der Vorstellung des Anliegens. So hatten Grüne und SPD vorgeschlagen, 1250 bis 2500 Quadratmeter für Arztpraxen und Büros auszuweisen, dementsprechend 2000 bis 2500 Quadratmeter für Einzelhandel und 6600 bis 10000 Quadratmeter für Wohnungen. Mit zwei weiteren Vorgaben: So sollten insgesamt nicht mehr als 13 000 Quadratmeter Geschossfläche um das neue Rathaus entstehen. Bei Entwürfen, die mehr als 6600 Quadratmeter für Wohnen vorsehen, sollten die zusätzlichen Quadratmeter "für die Schaffung von langfristig bezahlbarem Wohnraum zur Verfügung stehen" sowie geprüft werden, wie sie zumindest teilweise in gemeindlicher Hand verbleiben können. Das sollte eine Konzeptausschreibung klären. Die Idee dahinter: Werden mehr Wohnungen gebaut, "wollen wir den Mehrwert für die Gemeinde haben und nicht als Dollarzeichen in den Augen der Investoren", begründete Maier.

An dem Vorschlag gab es zwei Kritikpunkte. So bemängelte Robert Hrasky (Bündnis Zukunft Neuried), dass auf diese Weise "Wohnungen durch die Hintertür" entstehen werden. Da sich der Bau von Wohnfläche schlicht mehr rentiere als der von Gewerbe, werde das entsprechend ausgenutzt werden. "Das gefällt mir nicht." Für ihn sei der Wunsch einer lebendigen Ortsmitte mit einem Wohnquartier nicht zu erreichen. Nur Gewerbe sei öffentlich zugänglich, Wohnungen dagegen nach außen verschlossen. Die CSU-Fraktion störte sich vor allem daran, schon festzuschreiben, wie der Wohnraum einmal genutzt werden sollte. Da sei zunächst abzuwarten, wie es am Maxhofweg weitergeht, gab Marianne Hellhuber (CSU) zu bedenken. Auf dem dortigen, gemeindlichen Grundstück gibt es verschiedene Konzepte, bezahlbaren Wohnraum zu verwirklichen, zum Beispiel kann sich die Genossenschaft "Raum Neuried" Hoffnungen machen, dort unterzukommen. Man "kann ja nicht in ganz Neuried nur bezahlbaren Wohnraum machen", sagte Hellhuber. Es müssten auch andere Wohnformen möglich sein, betonte sie später, nicht nur Sozialwohnungen. Die CSU sprach sich vor allem gegen die Konzeptausschreibung aus. Zudem sichere sich die Gemeinde ohnehin schon Belegungsrecht für 20 Prozent der Wohnungen, so wie beispielsweise auf dem ehemaligen Hettlage-Gelände.

Diese Sozialbindung laufe aber aus und anschließend landeten die Wohnungen auf dem freien Markt, argumentierte Bürgermeister Harald Zipfel (SPD). Auch SPD-Fraktionssprecherin Mechthild von der Mülbe betonte, es gehe um eine "soziale Mischung" der künftigen Bewohner. Es sollten auch Wohnungen geschaffen werden, die sich ein Normalverdiener leisten könne. Das werde auf dem freien Wohnungsmarkt nicht so kommen, ist sie sich sicher.

Auf Betreiben von Markus Crhak (Bündnis Zukunft Neuried) fanden die Gemeinderäte einen Kompromiss. So sollen sich die Nutzungen so aufteilen: je 1500 bis 3000 Quadratmeter für Arztpraxen und Büros und Einzelhandel und Gastronomie. Dementsprechend bleiben bei der Obergrenze von 13 000 Quadratmetern neuer Fläche in der Neurieder Ortsmitte noch ein Korridor von 6000 bis 9000 Quadratmeter fürs Wohnen. Für jeden Quadratmeter Wohnraum, der über 6000 Quadratmeter hinaus geht, ist zwar die "Konzeptausschreibung" gestrichen, aber nicht die Absichtsbekundung, dort "langfristig bezahlbaren Wohnraum" zu schaffen.

Der Beschluss fließt nun in den Auslobungstext für die Ortsmitte ein, der in der Sitzung am Dienstag, 7. Juli, verabschiedet werden soll, wie Bauamtsleiter Andreas Braun in Aussicht stellte.

© SZ vom 30.06.2020

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