Neuried Angst vor dem Sündenfall

Verwildert: Das ehemalige Hettlage-Areal soll neu bebaut werden.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Neurieds Gemeinderäte begrüßen städtebauliches Konzept für früheres Hettlage-Areal, kritisieren aber die Baudichte

Von Johannes Korsche, Neuried

Die Pläne für das ehemalige Hettlage-Areal in Neuried nehmen erste Konturen an. Ein städtebauliches Konzept des Münchner Architekturbüros "Maier.Neuberger", das jetzt in der Sitzung des Bauausschusses vorgestellt wurde, zeigt, wie sich ein Gewerbe- und Wohngebiet auf dem Gelände zwischen der Starnberger Straße im Osten und der Kreisstraße M 4 im Westen miteinander verbinden ließen. Trotz grundsätzlicher Zustimmung kritisierten einige Gemeinderäte das Konzept. Der Grund: die für Neuried ungewöhnlich hohe Baudichte. Laut dem Architekten Maximilian Maier, der das Konzept vorstellte, könnten im südlichen Drittel des Areals etwa 180 bis 200 Wohnungen für bis zu 390 Neurieder entstehen. Bei der kommenden Gemeinderatssitzung soll das Projekt erneut präsentiert und diskutiert werden. Einen fertigen Bebauungsplan erhofft sich Bauamtsleiterin Dagmar Hasler noch in diesem Jahr, so dass 2018 mit dem Bau begonnen werden und ein Jahr später die Häuser eingeweiht werden könnten.

Nach derzeitigem Planungsstand teilt sich das ehemalige Hettlage-Areal in ein südliches Drittel und einen Nordteil. Im Süden sollen Wohnungen entstehen, im Norden ein Gewerbegebiet. Getrennt werden die beiden Flächen durch eine Erschließungsstraße, die von der M 4 abgeht und in Richtung Norden auf die Forstenrieder Straße führt. Geht es nach Maier, soll zum Schutz der Anwohner "lautes Gewerbe in den Norden gepackt werden". Ein geplanter Gastronomie-Betrieb und ein Hotel rücken daher in Richtung der Forstenrieder Straße. In einen länglichen Bürobau entlang der Starnberger Straße soll eine Biotechnologie-Firma ziehen. Das Konzept sieht noch vier weitere Gebäude im Gewerbeareal vor. Für diese Räume habe sich aber noch kein Nutzer gefunden, bestätigt Hasler. Bis auf den Gastronomie-Betrieb, der zweigeschossig geplant ist, sollen alle Gebäude fünf Geschosse und damit circa 20 Meter hoch sein.

Im Süden bilden vier Häuser einen deutlich mehr als 90 Meter langen Wohnhäuserblock, der die Wohnbebauung in Richtung des Gewerbegebiets vollendet. Daran schließen im Westen rechtwinklig zwei weitere Häuser an, die parallel zur M 4 verlaufen. Durch "ein Spiel mit der Höhe" solle trotz der blockartigen Anordnung der Eindruck von Einzelhäusern entstehen, versicherte Maier. So ist geplant, zwei Wohnhäuser mit sieben Geschossen an die Höhe der Gewerbebauten anzupassen. Die übrigen sieben Mehrfamilienhäuser sind fünf- und sechsgeschossig. Durch die Häuseranordnung ergibt sich im Süden ein begrünter Innenhof, in dem zwei der Wohnhäuser frei stehen. Eine Tiefgarage unter der Grünfläche soll ausreichend Stellplätze für die Anwohner schaffen. Eine Schwierigkeit bei dem Projekt sind die "Emissionen des Gewerbes und der M 4 für die Wohnbebauung", sagt Maier. Das "bekommt man aber durch die geschlossene Bebauung gut in den Griff". Außerdem soll eine "üppige Eingrünung" um das gesamte Areal und entlang der Erschließungsstraße den Schall brechen.

Das Konzept wurde zwar allgemein positiv aufgenommen, doch vor allem die angestrebte und für Neuried untypisch dichte Wohnbebauung stieß auf deutliche Kritik. Der CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Zimmermann befürchtet beispielsweise, dass "es uns vielleicht bei anderen Projekten auf die Füße fällt, wenn wir hier eine so hohe Dichte zulassen." Er wolle deswegen einen Präzedenzfall vermeiden. Andreas Giese (CSU) betonte, dass sich Neuried durch seine niedrige Baudichte auszeichne. "Diesen Luxus sollten wir uns leisten." Robert Hrasky (Bündnis Zukunft Neuried) weist außerdem auf die sozialen "Folgekosten, die uns als Gemeinde bleiben", hin. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Mechthild von der Mülbe will aber "keinen Bauraum verschwenden" und gibt zu bedenken: "Je weniger Baudichte wir zulassen, desto teurer werden die Wohnungen."