Neuhauser Straße So funktioniert TK Maxx

Ob Socken oder Sonnenbrillen, Gartenscheren oder Gürtel - bei TK Maxx ist das Sortiment riesig.

(Foto: Robert Haas)

Schnell, schnell, shoppen: Der neue Laden in der Innenstadt will Kunden mit besonders günstiger Markenware locken - dabei gibt es aber einen kleinen Haken.

Von Franziska Gerlach

Noch vor einigen Monaten war heftig spekuliert worden, wer in der Immobilie der Bayerischen Hausbau an der Neuhauser Straße auf die amerikanische Teeniemode-Kette Forever 21 folgen wird. Primark? Topshop? Oder bekommt München womöglich noch einen H&M? Mit TK Maxx belegt nun ein sogenanntes Off-Price-Unternehmen, das mit Markenware zu Niedrigpreisen lockt, die 5000 Quadratmeter große Fläche. Die Nachbarn Sport Scheck und Mango kommen zusammen auf etwa 12 300 Quadratmeter.

TK Maxx gehört zu TJX Europe, einem selbstständigen Unternehmensbereich von TJX Companies Inc. in den USA. Das Unternehmen expandiert in Deutschland gerade stark: In der vergangenen Wochen liefen in Nürnberg, Böblingen und Zwickau die Geschäfte an, allein im vergangenen Jahr eröffneten 17 neue Filialen. Die Münchner Dependance ist die bislang größte in Europa, etwa 250 Arbeitsplätze entstehen mit ihr.

Es gibt nahezu nichts, was es nicht gibt

Das Sortiment lässt sich am besten so beschreiben: Es gibt nahezu nichts, was es nicht gibt. Auf vier Etagen finden Kunden Taschen, Sonnenbrillen, Parfums, Schmuck, Bettwäsche, Pfannen, Gartenscheren, Teppiche und Deko-Artikel. Vor allem Mode von bekannten und weniger bekannten Designern sind im Angebot.

Joseph-Pschorr-Haus Auf Forever 21 folgt ein Designer-Outlet
Fußgängerzone

Auf Forever 21 folgt ein Designer-Outlet

Ab dem Frühjahr 2016 soll eine Filiale von TK Maxx die leerstehenden Räume im Pschorr-Haus an der Kaufingerstraße belegen. Der Händlerverband reagiert skeptisch.

Zwei Mädchen mit langen, glänzenden Haaren und akkurat geschminkten Lippen ist noch nicht ganz klar, wie TK Maxx funktioniert. "Ist halt billiger hier", sagt die eine und bückt sich nach einem pinkfarbenen High Heel von Patrizia Pepe, der im unteren Fach eines Regals steht. 69,99 Euro kosten die Schuhe, deren unverbindliche Preisempfehlung bei 279 Euro liegt. Nach eigenen Angaben bietet TK Maxx Ware immer um bis zu 60 Prozent günstiger an.

"Wir haben tausende Einkäufer, die auf der ganzen Welt für uns unterwegs sind", sagt eine Sprecherin. Unabhängig von den Saisons handelten diese "Deals" mit Firmen aus, unter anderem kaufen sie Überschüsse aus Produktionen auf. Die Stores werden mehrmals pro Woche mit neuer, immer anderer Ware beliefert, "ganz, ganz selten" würden auch Artikel zweiter Wahl angeboten - und keineswegs seien diese fehlerhaft. Markennamen will sie nicht verraten. Das habe damit zu tun, erläutert sie, dass man Kunden nicht enttäuschen wolle. Denn: Was weg ist, ist weg. Und kommt in der Regel nicht mehr nach.

"Wer weiß, wie lange sie die haben?"

Gerade das Wissen um die kurze Lebensdauer der Angebote soll die Shoppinglust befeuern. "Da muss man unbedingt was mitnehmen", sagt Kristin Räthe, die Modemanagement studiert. "Am Anfang sind viele tolle Sachen dabei - aber wer weiß, wie lange sie die haben?" Auch in der virtuellen Welt können manche kaum an sich halten, als die Nachricht vom jüngsten Neuzugang an der Fußgängerzone die Runde macht. "Toll!", schreibt eine Nutzerin bei Facebook. "Endlich auch in München!", meinte eine andere. Endlich? Martina Kinateder, der eine Mitarbeiterin vor dem Geschäft einen Flyer in die Hand drückt, kann den Hype nicht so recht nachvollziehen. "Ich bin nicht so der Marken-Heini", sagt sie. Dennoch wolle sie bei Gelegenheit eventuell hineingehen.

Das Unternehmen wirbt mit seinen Niedrigpreisen, mit denen es nun auch in München Kunden locken will.

(Foto: Robert Haas)

Die Münchner Einzelhändler dürfte der neue Mitbewerber wenig begeistern. "Es ist aber keine Panik ausgebrochen", sagt Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Händlerverbandes City Partner. Natürlich verstärke jeder große Anbieter den Wettbewerb, man sehe dem Ganzen interessiert, aber gelassen entgegen. Den Service der Münchner Traditionshäuser könne das Geschäft sicher nicht bieten, überhaupt sei ja auch der Vorgänger Forever 21 bereits "ein preisaggressiver Anbieter" gewesen, und der habe sich nicht sonderlich lange gehalten. Eines aber steht dennoch fest: Mit TK Maxx ist die Liste der Filialisten, die sich in den vergangenen Jahren in der Münchner Innenstadt eingerichtet haben, um einen Namen länger geworden.