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Neuhausen:Der Luftweg ist teuer

(Foto: Marco Einfeldt)

Seilbrücke soll Eichhörnchen retten. Aber nicht um jeden Preis

Von Sonja Niesmann, Neuhausen

Alle sind sie große Eichhörnchen-Freunde, die CSU, die SPD, die FDP - das muss eigens betont werden, auch wenn es nun wirklich nicht schwer ist, die possierlichen Tierchen zu mögen. Aber einige tausend Euro springen zu lassen für eine Luftbrücke, die Eichhörnchen im grünen Gern ungefährdet vom Verkehr von einer Straßenseite zur anderen balancieren lässt, daran haben die meisten Mitglieder des Bezirksausschusses (BA) Neuhausen-Nymphenburg doch schwer zu knabbern.

Nima Lirawi (CSU) hat schon vor Längerem beantragt, über die Braganza- beziehungsweise Hanebergstraße zwei Eichhörnchenseile zu spannen - sichere Überquerungshilfen in luftiger Höhe. Ein Vorbild dafür findet sich bereits im Viertel, gar nicht weit entfernt. An der Dantestraße hat der Verein Aktion Tier auf Höhe des früheren Sommerbad-Eingangs 2015 ein dickes Tau von Baum zu Baum spannen lassen, auf eigene Kosten. Um die Hörnchen auf den Luftweg zu locken, wurden Futterkästen angebracht und eine Videokamera, die dokumentieren sollte, wie der Wildwechsel in der Höhe angenommen wird. Zur Enttäuschung der Tierretter tat sich viele Monate lang nichts, erst beim Auslesen des Kamera-Chips fanden sich einige Bilder: Zwar war nirgends ein Eichkatzl in voller Größe, aber auf einem Foto "wenigstens der Schwanz des Hörnchens".

In der jüngsten BA-Sitzung lag nun die Kostenkalkulation der Aktion Tier auf dem Tisch: 3250 Euro für Seil und Montage, 500 Euro jährlich für Wartung. Nikolai Lipkowitsch (Grüne) vermisste einen Antrag, über den man abstimmen könnte: "Einmalige Förderung machen wir ja oft, wenn auch vielleicht nicht für jeden Blödsinn." Die Wartung jedoch sah er auf keinen Fall in der Zuständigkeit des BA. Auch andere äußerten sich skeptisch bis ablehnend, mit großer Mehrheit wurde das Seil erst einmal wieder aufgerollt. Vor lauter Debattieren und Liebesbeteuerungen für Eichkatzl vergaß das Gremium aber völlig, dass es bereits 2020 einen einstimmigen Beschluss zum Antrag gefasst hat. Und darin den Satz, falls die Stadt das nicht finanzieren wolle, bezahle eben der BA, gestrichen hat.

© SZ vom 23.06.2021
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