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Neue Nutzung:Das Heizkraftwerk ist heiß umkämpft

Viel Platz: Das ehemalige Heizkraftwerk weckt Begehrlichkeiten.

(Foto: Robert Haas)

Vereine wie die Schutzgemeinschaft Ramersdorf signalisieren Interesse an dem Gebäude an der Rosenheimer Straße

Das ehemalige Hackschnitzel-Heizkraftwerk an der Rosenheimer Straße 192 wird in zwei bis drei Wochen wieder leer sein und für neue Nutzungen zur Verfügung stehen. Die 60 alleinerziehenden weiblichen Flüchtlinge, die derzeit noch dort wohnen, sollen dann alle in ihre neue Unterkunft an der Nailastraße umgezogen sein. Das dadurch frei werdende Anwesen der Gewofag weckt Begehrlichkeiten im Viertel. Das Sozialreferat prüfe derzeit verschiedene Varianten der Nachnutzung, sagt Sprecherin Hedwig Thomalla. Dabei gilt: "Es gibt keine fixe Festlegung." Das dürfte Vereinen wie der Schutzgemeinschaft Ramersdorf Hoffnung geben, dort einen kulturellen Treffpunkt für das Viertel zu etablieren.

Ein logischer neuer Mieter wäre das Neuperlacher Festspielhaus. Bereits 2014 hatte das Jugendtheater Interesse an dem ehemaligen Heizkraftwerk an der Rosenheimer Straße bekundet. Das Theater muss bis zum 30. September 2018 aus seinem aktuellen Standort an der Quiddestraße ausziehen. Der Eigentümer hat wegen Eigenbedarf bereits gekündigt. Eigentlich sollte das Theater direkt in das künftige Bürgerzentrum Neuperlach am Hanns-Seidel-Platz ziehen, doch das wird voraussichtlich erst 2025 fertig - frühestens.

Helmut von Ahnen, der Geschäftsführer des Festspielhauses, sucht also eine Interimslösung für mindestens sieben Jahre. Er will sich aber nicht auf den einstigen Wunschstandort festlegen. Man befinde sich derzeit mit der Stadt in Gesprächen, bei der ein anderer Standort diskutiert werde. Genauer könne er nicht werden. Nur so viel, beide Lösungen seien "nicht einfach" umzusetzen. Er wartet nun auf einen Vorschlag der Stadt, bei der er "ernsthafte Bemühungen" erkennt, eine Lösung für sein Raumproblem zu finden. Bis dahin bleibt ihm nur, auf "Geduld und Kreativität" zu hoffen.

Somit können sich auch andere Vereine Gedanken machen, wie das ehemalige Hackschnitzel-Heizkraftwerk künftig bespielt werden soll. Bereits auf der diesjährigen Bürgerversammlung hatte die Schutzgemeinschaft Ramersdorf einen Antrag eingebracht, wonach diese Räume für ein Kultur- und Jugendhaus genutzt werden sollen, wenn für die dort untergebrachten Flüchtlinge eine bessere Bleibe gefunden ist. Schließlich ist das Haus durch seine "zentrale Lage sehr gut geeignet als kulturelles Zentrum", sagt die Vorsitzende des Vereins Bettina Rubow. Geht es nach ihr, käme in das Gebäude ein Filmcafé. Oder eine Kleinkunstbühne - im Verein engagieren sich "gut vernetzte" Theaterleute, die ein Programm organisieren könnten. Auch ein Lokal mit Veranstaltungsräumen würde sie begrüßen. An Ideen mangelt es nicht. Hauptsache, es gibt einen kulturellen Treffpunkt im Viertel für Lesungen, Tanzabende, Kochkurse oder Ausstellungen. "Das wäre für die ganze Gegend ein Gewinn", sagt sie. Auch weil sie derzeit Ähnliches in dem Viertel vermisst. Wichtig ist ihr, dass nun diskutiert werde, wie es mit dem Haus weitergeht. "Wir wollen uns nicht vordrängeln, wir haben nur Ideen."

Doch wer dem Sozialreferat genau zuhört, dessen Euphorie könnte sich abschwächen. Zunächst sucht das Referat die "kostengünstigste und schnellste Lösung" für das Haus, sagt Referats-Sprecherin Hedwig Thomalla. Denn der Leerstand soll "so schnell wie möglich" beendet werden. Immerhin: Eine kulturelle Nutzung sei grundsätzlich möglich. Sicher ist, dass das ehemalige Heizkraftwerk unabhängig von der weiteren Nutzung "auf jeden Fall hergerichtet werden" muss. Nur der Umfang der Arbeiten hänge an dem künftigen Mieter. Wann und von wem das Heizkraftwerk also wieder bezogen wird, ist daher noch offen.