Nahverkehr 60 statt 40 Euro fürs Schwarzfahren

Mit neuen Motiven weisen MVV, MVG und Bahn auf das erhöhte Bußgeld für Schwarzfahrer hin.

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  • Zum 1. August wurde auch im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) das "erhöhte Beförderungsentgelt", so die offizielle Bezeichnung für das Schwarzfahrer-Bußgeld, von bislang 40 auf nun 60 Euro angehoben.
  • Die seit 2003 geltenden 40 Euro haben laut MVG niemanden mehr abgeschreckt.
Von Marco Völklein

Seit Samstag müssen Schwarzfahrer mehr zahlen, wenn sie erwischt werden. Zum 1. August wurde auch im Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) das "erhöhte Beförderungsentgelt", so die offizielle Bezeichnung, von bislang 40 auf nun 60 Euro angehoben. Die Erhöhung sei "seit langem überfällig", sagt MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag. Die seit 2003 geltenden 40 Euro hätten "auch angesichts mittlerweile gestiegener Preise niemanden mehr abgeschreckt". Herbert König, Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), verteidigt ebenfalls die Anhebung: Sie erfolge "im Interesse unserer ehrlichen Fahrgäste, auf deren Kosten die Schwarzfahrer ja letztlich unterwegs sind."

Zuletzt hatten die Kontrollteams der MVG und der Deutschen Bahn (DB), die ja die Münchner S-Bahn betreibt, einen Anstieg der "Schwarzfahrerquote" festgestellt. So war der Anteil der Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis bei der Deutschen Bahn in den vergangenen Jahren unter zwei Prozent gefallen; mittlerweile aber sei er wieder auf drei Prozent gestiegen.

"Kontrolldruck" erhöhen

Um nun einen weiteren Anstieg zu verhindern, verschärfen beide Unternehmen seit Monaten den Kampf gegen die Schwarzfahrer: Die MVG will nach eigenen Angaben ihr Kontrollpersonal nach und nach aufstocken; die DB setzt neben eigenen Leuten auch Mitarbeiter von externen Dienstleistern ein, um den "Kontrolldruck" zu erhöhen. Außerdem sollen Servicekräfte der Bahn und Reklame-Aufsteller an den S-Bahn-Stationen die Fahrgäste insbesondere zu Monatsbeginn immer wieder daran erinnern, dass sie sich eine neue Zeitkarte besorgen müssen. In den U- und S-Bahnen, den Trambahnen wie auch den Bussen weisen zudem seit Monatsanfang neue Schilder auf den erhöhten Betrag von 60 Euro hin. Anders als in den Vorjahren konnten sich MVV, MVG und DB nicht auf ein einheitliches Design einigen - vielmehr gibt es nun drei verschiedene Motive, die die Fahrgäste auf das erhöhte Beförderungsentgelt hinweisen: In den Fahrzeugen der MVG wirbt ein Augenpaar auf schwarzem Grund für den Fahrscheinkauf, DB und der MVV (der für den Einsatz der Busse in den Landkreisen zuständig ist) setzen auf deutlich mehr Text in ihren Hinweisen, die dort auch mehrsprachig gestaltet sind. In den S-Bahnen zeigt zudem noch ein Schiedsrichter dem Schwarzfahrer die "rote Karte".

Eine Art "Karenzzeit" für Schwarzfahrer in den ersten Tagen oder Wochen nach Einführung der 60-Euro-Regelung wird es allerdings nicht geben - das machen DB wie MVG klar. "Über Bußgelder und Punkte verhandeln Autofahrer nach einer Anpassung ja auch nicht mit den Ordnungshütern", sagt ein MVG-Sprecher. Allerdings kritisieren Fahrgastverbände immer wieder, das aus ihrer Sicht verwirrende MVV-Tarifsystem mit seinen diversen Ringen, Zonen und Räumen verleite quasi zum Schwarzfahren. Es führe letztlich dazu, dass selbst Fahrgäste, die das gar nicht beabsichtigen, mit einem ungültigen Fahrausweis unterwegs seien - schlicht weil sie erst ein "MVV-Fahrgast-Abitur" benötigten, um zu verstehen, welchen Fahrschein sie kaufen müssen.

Zudem akzeptieren die Automaten in den meisten Trambahnen und Bussen der MVG nur Münzen. Wer wenig Kleingeld dabei habe, scheitere dann bereits daran.