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Nahverkehr:Neue Straßenbahnen sind zu lang für Haltestellen

Neu trifft Alt: Auch am Maximilianeum wird die Haltestelle verlängert.

(Foto: MVG)
  • Die Münchner Verkehrsgesellschaft muss 15 Haltestellen umbauen, "damit die Fahrgäste an der hinteren Ausstiegstür nicht in der Hecke landen".
  • Es verschwinden aber nicht nur Grünpflanzen, teilweise geht es auch um Parkplätze.

Von Johannes Hirschlach

"Avenio", eine Anlehnung an das französische Wort "avenir" für "Zukunft", heißen schwungvoll die neuen Straßenbahnzüge der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG). Acht der vierteiligen Trambahnen sind bereits seit 2014 im Stadtgebiet im Einsatz; in einem Jahr, zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017, sollen 22 weitere der Fahrzeuge aus dem Hause Siemens zur Flotte stoßen. Ausgeliefert werden dann vier weitere Vierteiler, neun zweiteilige und neun dreiteilige Einheiten. Vorgesehen ist, dass die Züge dann auch gekuppelt aus zwei- und dreiteiliger Ausführung unterwegs sind und damit die stolze Länge von 48 Metern auf die Gleise bringen - die längsten Straßenbahneinheiten Münchens.

Das Netz indes ist derzeit noch nicht auf diese Dimensionen vorbereitet. Und so steht den Stadtwerken als Muttergesellschaft der MVG ein Bündel Baustellen ins Haus. "Damit die Fahrgäste an der hinteren Ausstiegstür nicht in der Hecke landen", wie es MVG-Sprecher Matthias Korte formuliert, müssen 15 Haltestellen an die neue Maximallänge angepasst werden - mit unterschiedlichem Aufwand.

Einsetzen will die MVG die gekuppelten "Avenio"-Bahnen auf den Straßenbahnlinien 20, 21 und 22 - vom Karlsplatz (Stachus) ausgehend bis zum Bahnhof Moosach beziehungsweise zum Westfriedhof und zur Hochschule München. Auf diesen Strecken sieht die MVG auf absehbare Zeit den größten Bedarf. Zu den Haltestellen der Linien 20 bis 22 gesellen sich Stationen, die entlang der Zulaufstrecke zum Straßenbahn-Betriebshof an der Einsteinstraße liegen - darunter die Haltestellen "Maximilianeum" und "Nationaltheater".

Was die Baumaßnahmen kosten, sei noch nicht endgültig klar, sagt Korte, eine abschließende Kalkulation liege erst nach Abschluss der Planungs- und Ausschreibungsverfahren vor. Diese laufen derzeit, um den Umbau rechtzeitig zum Fahrplanwechsel abschließen zu können. Gebaut werden soll in den Sommermonaten 2017, und der Blick in die Unterlagen verrät: Nicht an allen Stellen müssen die Bagger anrücken, bei einigen Bahnsteigen genügt es, Haltelinien und Blindenleitsysteme zu verschieben. Dafür müssen lediglich Bodenplatten versetzt werden, erläutert Korte: "Das sind Arbeiten im Stile des laufenden Unterhaltes."

Nicht verschont von größeren Baumaßnahmen bleibt hingegen ein ohnehin neuralgischer Verkehrsknoten: Am Stachus müssen sich Fahrgäste und Autofahrer von Juni an auf 15 Wochen Gleissperrungen, Schienenersatzverkehr und Behinderungen einstellen, heißt es im Erläuterungsbericht zur Verlängerung der Haltestelle an der Bayerstraße. Dort muss die Lage der Gleise und der Fahrspuren "leicht modifiziert werden"; unter anderem steht die Versetzung einer Weiche auf dem Plan.

Zur Koordinierung haben die Münchner Stadtwerke die betroffenen Haltestellen in drei Gruppen unterteilt. Bei Stationen der ersten Kategorie beschränken sich die Umbauten auf Bestandsflächen. So müssen beispielsweise an der Pelkovenstraße Rampen am Bahnsteig angepasst werden, an den Kammerspielen entfallen fünf Parkplätze. Der Bezirksausschuss Moosach hat jüngst den Anpassungen der Gruppe-1-Stationen "Pelkovenstraße" und "Olympiapark West" zugestimmt.

Im Umfeld der vier Haltestellen aus Gruppe 2 - Hugo-Troendle-Straße, Wintrichring, Goethe-Institut und Hochschule München (Lothstraße) - muss zur Verlängerung der Bahnsteige in die dort bestehenden Grünstreifen eingegriffen werden. "Dort sind umfangreichere Bauarbeiten notwendig", sagt Korte. In der dritten Gruppe schließlich wird es auch zu Veränderungen der jeweiligen Gleisanlagen kommen. So sei an den Haltestellen "Moosach Bahnhof" und "Leonrodplatz" die Verschiebung jeweils eines Überweges erforderlich, erklärt der MVG-Sprecher. Im Detail soll am Bahnhof Moosach ein Stück Rasengleis eine Asphaltdecke erhalten, am Leonrodplatz wird eine Gummiplatte verlegt.

Bei baulichen Veränderungen schreibt der Gesetzgeber obendrein vor, Lärmberechnungen anzustellen. Ein von den Stadtwerken beauftragter Gutachter geht davon aus, dass an den Haltestellen "Moosach Bahnhof", "Leonrodplatz" und "Karlsplatz (Stachus)" für einige der Häuser in unmittelbarer Nachbarschaft fortan ein "Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen" besteht. "Dabei geht es um den Einbau von Schallschutzfenstern", sagt Matthias Korte. Dieser Sachverhalt soll geprüft werden, wenn die bevorstehenden Bauarbeiten abgeschlossen sind.

© SZ vom 29.12.2016/sim
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