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Mutmaßlicher Betrüger vor Gericht:Zwei Plastikflaschen und ein Pappkarton für 1200 Euro

Habib B. wollte drei Handys kaufen, wurde aber reingelegt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht.

"Ich habe keine Ahnung, wie die das gemacht haben." Verzweifelt und wütend zugleich stößt Habib B. den Satz heraus. Als der mutmaßliche Täter aufsteht, sich entschuldigt, ihm vor Gericht die Hand reicht, sagt Habib B.: "Du bist noch jung, aber ich verzeihe dir nicht!" Vor der zehnten Strafkammer am Landgericht München I ist Hamza Z. angeklagt. Er soll zusammen mit Komplizen mittels eines wirklich simplen Tricks Leute um ihr Geld gebracht haben. Vielleicht ist es auch das, was Habib B. so erzürnt: Als ihm Hamza Z. in einem InternetCafé drei Handys zum Kauf anbot, zahlte er 1200 Euro in bar, erhielt die Tüte mit den Handys - und als er sie zu Hause öffnete, befanden sich darin lediglich zwei Plastikflaschen Wasser und ein Pappkarton.

Hamaz Z. stammt aus Casablanca in Marokko, lebt in Frankreich und ist laut den Registern, in denen Straftaten gespeichert werden, international bereits bestens bekannt. In München nun ist er unter anderem wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs und auch wegen Körperverletzung angeklagt. Z. ist gerade einmal 25 Jahre alt, die Haare trägt er an den Seiten kahl rasiert und nur oben am Kopf zieht sich ein schmaler dunkler Streifen nach hinten. "Ich hab ein Kind, ich bin seit einem Jahr im Knast, ich hab die Lektion verstanden", sagt er. Wie das die zehnte Strafkammer sieht, lässt der Vorsitzende Richter Nikolaus Lantz noch offen. Zwar wurde nach Verlesung der Anklage ein Rechtsgespräch mit Staatsanwaltschaft sowie den Verteidigern Christian Gerber und Martin Scharr im Richterzimmer angesetzt, doch das Gericht kam zu dem Schluss, dass die rechtliche Einordnung der insgesamt fünf Taten erst im Verlauf der Verhandlung getroffen werden könnte.

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In den Jahren 2016 bis 2018 soll Hamza Z. in wechselnder Besetzung den Wasserflaschentrick erfolgreich in München, Stuttgart und Bremen umgesetzt haben. Dabei soll die Bande hauptsächlich Landsleute angesprochen haben. "Die Araber haben Angst vor der Polizei", sagt der Zeuge Habib B. vor Gericht, "ich denke, da gibt es noch mehr Fälle".

Habib B. erwischte es in einem Internet-Café in der Nähe des Partnachplatzes in Sendling. Er habe dort Freunde besucht und im Rausgehen sei er angesprochen worden. Ob er nicht ein Handy günstig kaufen wolle. Er wollte, "ich brauchte ein iPhone", und für seine Freundin sollte auch noch ein neues Gerät drin sein. Drei Männer umringten den 49-Jährigen, zeigten diverse Handys und Tablets, die sie aus einer Laptoptasche zogen, die in einer Penny-Kühltasche steckte. Es wurde verhandelt, aus zwei Handys wurden drei, und B. ging extra zu einem Freund in der Nachbarschaft, um sich Geld zu borgen. 1200 Euro übergab er den Männern, sie händigten ihm dafür die Penny-Tasche aus. Auf dem Heimweg habe er noch kurz die Tasche öffnen wollen, aber die war noch mit einer Sicherheitsnadel verschlossen. "Ich hab sie erst nach 15 Minuten aufgemacht, dann bin ich sofort zurück ins Café und zur Polizei." Doch Hamza Z. war da schon längst mit seinen Kollegen über alle Berge.

Ähnlich soll Z. auch in einem Friseursalon in der Paul-Heyse-Straße vorgegangen sein, wo ein Geschädigter unfreiwilligerweise 2000 Euro und zwei Gramm Koks gegen zwei Wasserflaschen und Pappe tauschte. Ein Opfer aus einem Callshop in der Orleansstraße allerdings bemerkte den Betrug, lief den Tätern nach, die gerade in einem Auto flüchten wollten, und hängte sich in die halboffene Türe. Der Fahrer gab Gas, der Mann ließ los und erlitt eine Schulterprellung. Bei einer weiteren Tat in Stuttgart soll Hamza Z. einen Geschädigten geschlagen haben, was er bestreitet. Der Prozess dauert an.