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Musik:Lichter Sound

Das Muffatwerk zeigt vorweihnachtliche Musikvideos

Von Dirk Wagner

Selbst die hiesigen Lichterfeste wie Chanukka und Weihnachten sind heuer von der pandemischen Dunkelheit überschattet. Umso tröstender schien das kleine Licht auf die zufällig vorbeikommenden Spaziergänger zu wirken. Im Dezember wurde dieses auf dem Gelände des Muffatwerks an drei Sonntagnachmittagen nach Sonnenuntergang angezündet. Auf zwei hölzernen Jagdständen spielten dort nämlich Musiker für zwei Kamerafrauen. Mit einer zusätzlichen 360-Grad-Kamera und zwei Licht- und Tontechnikern dokumentierten sie das Geschehen für ein "Christmas Streaming Special". Als "Hochsitz Konzerte" sind von Mittwoch, 23. Dezember, 18 Uhr, an über www.muffatwerk.de sechs Live-Acts zu sehen, deren Sounds schon bei den Aufnahmen lichter strahlten als das wärmende Lagerfeuer vor ihnen. Wenn dabei die Klangarchivarin und Sängerin Alexandra Cumfe für ihr Musikprojekt Her Tree aufgenommene Waldgeräusche digital zerlegt und musikalisch strukturiert wieder neu zusammenfügt, schafft sie mit eigentlich schon vergangenen Klängen einen geradezu zukunftsweisenden Sound.

Doch auch herkömmlichere Arten des Musizierens bieten in jenen Streaming-Konzerten einen kleinen Ausblick auf die popkulturelle Zukunft dieser Stadt. Dass solche nicht nur in den hoffentlich bald wieder zugänglichen Konzerträumen stattfindet, dafür bürgt die Bratschistin und Singer-Songwriterin Johanna Mauk, die nach eigenem Bekunden auch gerne auf Beerdigungen spielt. Darum wollte sie ursprünglich auch nur das Song-Repertoire für Trauerfeiern erweitern. "Wenn ich noch einmal Andreas Gabalier hören muss, dann ist die nächste Beerdigung meine", sagte sie sich nämlich. Mit "You Are The Wind" ist Mauk bislang allerdings nur ein einziges Bestattungslied gelungen. Ihre restlichen Songs entwickelten sich indes zu Liebesliedern.

Diese sollen nun im Stream für eine weihnachtliche Atmosphäre sorgen, zusammen mit den klanglichen Skulpturen und auditiven Landschaften der experimentellen Soundtüftler Konrad Wehrmeister und David Goldberg, mit dem nicht minder experimentellen DJ-Set der Künstlerin Slovva, mit dem Indie-Pop von Saguru, den deren Mastermind Chriz Rappel der Kälte auf dem Hochsitz trotzend alleine mit seiner Gitarre und seinem Gesang entfaltete, und mit den jazzig anmutenden Tunes der Sweet Lemon, in die sich auch der einst von Rickie Lee Jones besungene Chuck E verliebt hätte. Mit solchem musikalischen Licht wünscht das Muffatwerk über seine Internetseite ein frohes Weihnachtsfest.

© SZ vom 22.12.2020
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