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Umzugshelfer in Parkposition:Münchner warten auf Berliner Flughafen

Eigentlich sollten Münchner Spezialisten den Berlinern mit dem Flughafen-Umzug helfen. Doch der neue Eröffnungstermin des Großflughafens steht noch nicht fest - und so sind derzeit die Dienste der Umzugshelfer in Doha und Oman gefragter.

Die Umzugshelfer des Münchner Flughafens sind erstmal abgezogen. Nun warten alle auf eine Entscheidung, wie es denn weitergeht mit dem neuen Großflughafen in Berlin. Und mit dem Umzug der schweren Flugzeugschlepper, der Fahrgasttreppen, der Löschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr, der Gepäckwägelchen und Abertausenden Umzugskartons, die irgendwann einmal umgezogen werden müssen von den beiden bisherigen Flughäfen Tegel und Schönefeld auf das Gelände des neuen Großflughafens im Berliner Süden. An diesem Freitag will der Aufsichtsrat die Lage beraten. Anschließend soll eine Entscheidung fallen.

Hauptstadtflughafen Berlin

Wann Flugzeuge auf Berlins neuem Flughafen BER starten und landen können, ist noch unklar. Damit ist auch unklar, wann und ob überhaupt die Umzugshelfer des Münchner Flughafens ihren Kollegen in Berlin helfen.

(Foto: dapd)

Eigentlich war der Umzug der beiden Berliner Flughäfen und die Inbetriebnahme des neuen Großairports mit dem Kürzel "BER" für den 3. Juni geplant. Wegen massiver Mängel beim Brandschutz, aber auch wegen anderer Unzulänglichkeiten, bliesen die BER-Chefs den Umzug im Frühjahr ab. Seitdem ist unklar, ob der neue Umzugstermin am 17. März 2013 zu halten ist. Derzeit sieht es eher nicht danach aus. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, der Umzug müsse erneut verschoben werden. Auf wann genau? Das ist unklar. Möglicherweise auf Herbst, ist jetzt zu hören.

Helfen sollten bei dem Umzug auch die Spezialisten des Münchner Flughafens. Deren Fachleute haben vor 20 Jahren beim spektakulären Über-Nacht-Umzug von Riem ins Erdinger Moos gezeigt, wie man einen neuen Airport in Betrieb nimmt, während der alte gerade geschlossen wird. Mit etwa 40 Leuten waren die Münchner in Berlin im Einsatz. Unter anderem wurden 1000 Komparsen engagiert, um vor Inbetriebnahme die Technik des neuen Flughafens ausgiebig zu prüfen und das Personal mit den neuen Abläufen vertraut zu machen. Derzeit allerdings schaut höchstens mal eine Mitarbeiterin aus München hin und wieder in Berlin vorbei. Der Großteil der Truppe wurde abgezogen.

"Es ergibt keinen Sinn, da mit geballter Manpower rumzusitzen, wenn noch überhaupt nicht klar ist, wie und wann es weitergeht", heißt es am Münchner Flughafen. In Berlin berichten derweil die örtlichen Medien, dass mittlerweile ein neuer Umzugsplan erdacht werden soll. Statt beide Flughäfen, Tegel und Schönefeld, auf einmal zu schließen und sämtliches Equipment in einer einzigen Nacht in den Berliner Süden zu verlegen, soll nun ein zweigeteilter Umzug stattfinden: Zuerst sollen das Gerät und die Mitarbeiter aus Schönefeld an ihrer neuen Wirkungsstätte anfangen, einige Zeit später sollen die Kollegen aus Tegel folgen. Dann allerdings, so berichtet der Berliner Tagesspiegel, müsste der Umzugsauftrag neu ausgeschrieben werden. Auch das soll am Freitag entschieden werden. Sollte das tatsächlich so kommen, "werden wir selbstverständlich wieder anbieten", heißt es am Münchner Airport. "Wir würden gerne das zu Ende bringen, was wir begonnen haben."

Immerhin haben die Münchner mit ihrer Abteilung Umzüge und Inbetriebnahmen von Flughafenterminals ein einigermaßen lukratives Geschäftsfeld aufgebaut: Knapp zehn Millionen Euro setzt Flughafenchef Michael Kerkloh damit pro Jahr um, unterm Strich bleibe eine Gewinnmarge im "ordentlichen zweistelligen Bereich" übrig, sagt sein Finanz-Geschäftsführer Thomas Weyer. Nachdem sie in Berlin nun vorerst nicht mehr gebraucht werden, zogen die Umzugshelfer flugs weiter: An den Airports in Doha und Oman sind ihre Dienste derzeit gefragter als in der Bundeshauptstadt.

© SZ vom 05.09.2012/webj/rus
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