Münchner Verkehrsgesellschaft Erfolg bringt MVG in Bedrängnis

Die Münchner Verkehrsgesellschaft profitiert von den "schlicht unkalkulierbaren" Preisen für Benzin und Diesel. Die Folge: In den Bussen und Bahnen drängeln sich mehr Menschen, als das Nahverkehrsnetz eigentlich verkraftet.

Von Marco Völklein

Die hohen Spritpreise, der weiter anhaltende Zuzug nach München sowie der generelle Trend zur stärkeren Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln dürfte der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) in diesem Jahr erneut einen Fahrgastrekord bescheren. Im ersten Halbjahr lag die Zuwachsrate gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei 2,9 Prozent. "Dieser Steigerungswert bestätigte sich auch im dritten Quartal des Jahres", sagte MVG-Chef Herbert König auf Anfrage der SZ. Daher sei ein Jahresergebnis "in dieser Größenordnung möglich".

Bereits im vergangenen Jahr hatte die MVG die Zahl ihrer Fahrgäste um zwei Prozent auf 522 Millionen im Jahr gesteigert - das war damals bereits der siebte Rekordwert in Folge.

Als Haupttreiber der Entwicklung macht König unter anderem die hohen Kosten für Benzin und Diesel aus. So ist laut ADAC der Preis für einen Liter Super zuletzt binnen Jahresfrist um mehr als zwölf Cent oder acht Prozent geklettert. Ähnlich sieht es beim Diesel aus: Mussten die Autofahrer im Herbst 2011 noch im Schnitt 1,42 Euro je Liter zahlen, lag der Durchschnittspreis zuletzt bei etwa 1,52 Euro je Liter - eine Steigerung um sieben Prozent.

Und obwohl auch der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund im vergangenen Jahr die Preise um 2,3 Prozent angehoben und für dieses Jahr eine Steigerung um 3,7 Prozent beschlossen hat, steigen offenbar immer mehr Autofahrer aus ihren Karossen aus und auf Busse und Bahnen um.

München liegt damit im Bundestrend - und übertrifft diesen noch deutlich. So vermeldete der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im ersten Halbjahr 2012 bundesweit etwa 4,8 Milliarden Fahrten im öffentlichen Nahverkehr - auch das ein Rekord.

Der Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum lag aber mit 0,8 Prozent deutlich unter dem Münchner Wert. König macht dafür neben den "schlicht unkalkulierbaren Benzinpreisen" den "starken Zuzug in die Wachstumsregion München" sowie "steigende Studenten- und Tourismuszahlen" verantwortlich.

Der Erfolg bringt die MVG allerdings zunehmend in Bedrängnis. Denn in den Bahnen und Busse drängeln sich immer mehr Menschen. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich das Problem noch verschärfen. Denn aller Erfahrung nach steigen viele Pendler, die im Sommer mit dem Rad unterwegs sind, in der kalten Jahreszeit auf öffentliche Verkehrsmittel um. Um das Problem zu lösen, lässt die MVG derzeit an der Lothstraße eine neue Trambahnwendeschleife bauen. Auf der soll vom 10. Dezember an die neue Verstärkerlinie 22 auf dem Abschnitt zwischen Stachus und Lothstraße fahren und die stark frequentierten Tramlinien 20 und 21 entlasten. In der Maxvorstadt soll ebenfalls vom 10. Dezember an die neue Linie 28 die stark ausgelastete 27er-Tram in Barer- und Nordendstraße verstärken.

Auf anderen Linien dagegen bleibt es zunächst beim Sardinen-Gefühl für die Fahrgäste - insbesondere in der U-Bahn. Dort wird sich wohl erst von Dezember 2013 an die Lage spürbar entspannen, wenn auf Teilen der U 2 die Züge im Zwei-Minuten-Takt rollen. Bislang fahren sie zu Spitzenzeiten alle zweieinhalb Minuten. Voraussetzung dafür ist, dass die MVG bis dahin neue U-Bahnen vom Typ "C2" geliefert bekommt. Diese werden derzeit bei Siemens in Wien gebaut und sollen von Sommer 2013 an ausgeliefert werden. Voraussetzung ist zudem, dass die Regierung von Oberbayern die neuen Züge zulässt.

Bei den Trambahnen vom Typ "Variobahn" zog sich das über mehrere Jahre hin. Bislang allerdings sind MVG wie Siemens zuversichtlich, die Zulassung rechtzeitig zu bekommen - wie auch bei den neuen Trambahnen vom Typ "Avenio", die die MVG ebenfalls bei Siemens bestellt hat und die ebenfalls bis Dezember 2013 geliefert und zugelassen sein sollen. Klappt das, werden die Avenios auf weiteren Tramstrecken die Kapazität erhöhen.

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