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Münchner Momente:Von Hundesittern und Arztbesuchen

München ist die Zamperlstadt schlechthin, was findige Geschäftsinhaber längst für sich entdeckt haben. Jetzt kann man sich auch eine Tagesbetreuung organisieren, die fast so viel kostet, als wenn der Arzt zu einem nach Hause käme

Hallo, Schatz, wie war dein Tag?" So oder so ähnlich klingt das Begrüßungsritual eines ganz normalen Menschenpaares nach eines langen Tages Last und Mühe. "Hallo Schatz, hat er geschissen?" So heißt der eine die andere (oder umgekehrt) abends willkommen, sollte es sich um ein Menschenpärchen handeln, das - frei nach Schillers "Ich sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Dritte" - einen Hund in eben diesen Bund aufgenommen hat. Denn egal, was Herrchen oder Frauchen an diesem Tag auch immer erlebt haben, das Wichtigste ist, wie es dem Hund geht. Und dazu gehört eben auch diese eine Frage.

Nun ist München als Zamperlstadt von nachgerade sprichwörtlicher Wichtigkeit. Knapp 40 000 Hundesteuerformulare werden alle Jahre mit der runden Überweisungssumme von 100 Euro ausgefüllt. Vom Affenpinscher bis zum mexikanischen Xoloitzcuintle, von Daisy, wie sie einst in Herrn Moshammers Handtäschchen passte, bis zum irischen Wolfshund mit einer Mindestristhöhe von 79 Zentimeter reicht die Variationsbreite. Da jubelt der Geschäftsmann und wittert tierische Gewinnmargen. Denn 40 000 Fellnasen wollen versorgt sein, mit Futter sowieso, aber auch mit allerlei Brimborium drumherum, vom Tierarzt in der Nähe über die passende Assekuranz bis zum Gassigang, an dessen Ende natürlich ebenfalls oben erwähnte Frage steht. Hat er? Oder hat er nicht? Wenn ja, bitte Details.

Dass nun in Münchens Fußgängerzone, an der Theatinerstraße, demnächst ein weiterer, der gefühlt zweitausenddreihundertfünfundzwanzigste, Hundeshop namens "Gassiheld" einen Showroom "mit Wau-Faktor" eröffnet, ist also nur logisch. Und dass es da "tolle" und "nachhaltige" Produkte gibt samt Leckerlis in Bio-Qualität, versteht sich fast von selbst. Und weil München die Stadt der Singles und der Doppelverdiener ist, steht auch die Tagesbetreuung der Kundschaft auf dem Angebotszettel. Zum Beispiel eine Stunde in der Premiumversion für 20,95 Euro.

Ein Arzt kriegt für einen Hausbesuch auch nur 22,94 Euro. Da stellt sich die Frage, ob man nicht gleich den Doktor zum Gassigang bitten könnte. Er wäre auch in der Lage, die Frage nach Qualität und Beschaffenheit etwaiger Hinterlassenschaft ausführlich und kundig zu beantworten.

© SZ vom 25.11.2019
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