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Münchner Momente:Riberiesig und Poblematisch

Eine Supermarktkette hat in den nassen Tagen Dutzende abgestellte Fahrräder mit Regenüberzügen besattelt. Die Idee an sich ist nicht schlecht - es gibt aber einen erheblichen Denkfehler

Kolumne von Philipp Crone

Werbung gelingt ja immer dann, wenn sie am richtigen Ort platziert wird. Als etwa Fußballer Franck Ribéry von seinem Ausrüster Nike als König mit Ball inszeniert wurde, hing das hauswandgroße Plakat an der erhabenen und imposanten Theatinerkirche neben der Feldherrnhalle natürlich perfekt. Die Werbung für Paulaner vor einem Jahr an einer Giesinger Hauswand über einer der dortigen Boazn, als Graffito gesprüht, ist ebenfalls gelungen. Und eine Litfaßsäule wäre wahrscheinlich eine gute Werbefläche für Potenzmittel. Nun, da fast alle Flächen beworben sind, muss man sich gut überlegen, ob die letzten verbliebenen passend sind für die eigene Marke.

An manchen Plätzen hat in den nassen vergangenen Tagen Edeka nun Dutzende der dort abgestellten Fahrräder mit gelben Regenüberzügen besattelt. Darauf steht die Aufforderung, den größten Supermarkt der Stadt in der Hofstatt zu besuchen. Mit dem Rad, darf man annehmen. Nun ist der Hintern seit Jahren, spätestens seit den Werbe-Popos aus der österreichischen Fußballliga und dem Volleyball, eine etablierte Werbefläche. Aber ein Sattel? Vielleicht könnte man ja dann auch gleich noch die Katzenaugen mit Anzeigen für Medikamente gegen Schwindelgefühle bekleben. Oder die Klingel mit Präparaten gegen Tinnitus. Der Trend zum Zweitlastenfahrrad löst bei Werbemachern bestimmt eine kreative Euphoriewelle aus.

Aber vielleicht muss man in München eher gleich riberiesig denken. Der Monopteros gäbe doch eine wunderbare Mega-Mass für Augustiner oder Spaten ab. Die Frauenkirche für Doppelherz, und die Fröttmaninger Arena müsste längst von "Werther's Echte" Karamellbonbons gesponsert werden. Der Gasteig als Fläche für Backstein-Hersteller, die bogige Hackerbrücke für Mc Donald's, und das Heizkraftwerk Süd eignet sich ideal für Heckler & Koch als in den Himmel gerichtetes Maschinengewehr. So könnte man lange weitergrübeln, mit dem Rad durch die Stadt rollend, auf einem gelben Plastiküberzug. Den ja dann nur keiner sieht. Egal. Der ist dann halt für'n Arsch.

© SZ vom 22.06.2020

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