Münchner Momente:Eine Stadt macht mobil

Die IAA startet kommende Woche und davor und währendessen ist kein Wort so wichtig wie "Mobilität" - und für jede denkbare Form gibt es mindestens eine Veranstaltung

Glosse von Andreas Schubert

Darf es vielleicht ein Workshop über queerfeministische Mobilität sein? So einen gäbe es nächste Woche auf dem Kongress für transformative Mobilität. Oder sollten wir uns dort lieber mit dem Ausstieg aus der Autogesellschaft und der Mobilität im Kontext globaler Ungleichheiten beschäftigen? Sollten wir nicht auf dem Mobilitätskongress des Mobilitätsreferats vielleicht auch endlich mal darüber nachdenken, wie man Arbeit und Mobilität räumlich neu organisieren kann? Ist Mitfahren die Mobilitätslösung im 21. Jahrhundert? Freilich könnte man sich ja auch intensiver mit Quartiersmobilität und Feinmobilität auseinandersetzen, wahlweise auch mit Future of Mobility und zwar auf der IAA Mobility.

Wenige Wörter dürften in den vergangenen Jahren eine so steile Karriere hingelegt haben wie "Mobilität". Mehr als 1000 Mal kam es in den vergangenen fünf Monaten allein in dieser Zeitung vor, das ist häufiger als in den kompletten Siebzigerjahren, als man sich halt ins Auto setzte, um damit morgens zur Arbeit und abends wieder heimzufahren, ohne sein Mobilitätsverhalten kritisch zu hinterfragen. Hätte man damals Münchner nach ihrer bevorzugten Art der Mobilität befragt, hätte man allenfalls ein maulfaules "Ha?" als Antwort bekommen.

"Ha?" statt "Wie bitte?" sagt in Bayerns Hauptstadt heute niemand mehr. Dafür geht einem Münchner die "Mobilität" selbst nach vier Biergarten-Mass noch einwandfrei über die Lippen. Autogegner benutzen das Wörtchen wegen der IAA aktuell bevorzugt als Synonym für Mobilmachung. Es finden so viele Veranstaltungen statt, dass gut mobil sein muss, wer mitspielen will. Aber dafür gibt's ja die "Blue Lane Underground", altdeutsch: "U-Bahn". Wer dann auf dem Weg von der Haltstelle nach Hause auf einen elektrischen Tretroller steigt, kann sich freuen, dass er in Sachen "Mikromobilität" voll auf der Höhe der Zeit ist.

© SZ vom 02.09.2021
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