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Münchner Momente:Ein Bussl zum Abschied

Die Stadt hat wieder mal das Oktoberfest überstanden und seufzt erleichtert auf

"Sodala, dann hätt' ma des auch wieder gschafft!" Ein Hüttenwirt im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet genoss vor vielen Jahren eine gewisse Berühmtheit, weil er jede, aber auch wirklich jede Tätigkeit bis hin zum Servieren einer Leberknödelsuppe mit diesem Satz begleitete - und nach getanem Werk standardmäßig noch ein zufriedenes "Ein Traum!" folgen ließ.

Das Ende der 186. Wiesn mag für manche Münchner - Anwohner zum Beispiel oder Rettungssanitäter - ein solcher Traum sein. Oder für Menschen, die bei der täglichen Fahrt zur und von der Arbeitsstelle mit dem Radl den Großraum Lindwurmstraße / Schwanthalerhöhe irgendwie durchmessen mussten. Im Prinzip ist so ein Bierfest ja eine feine Sache: Die Besucher sind hinter einem Zaun, werden massiv kontrolliert und kameraüberwacht, im Ernstfall bis zum bitteren Ende auf dem Kotzhügel. Das Problem ist, dass sie erst einmal zur Theresienwiese hin kommen und am Ende - irgendwie - auch wieder heraus müssen. Die einen sind bereits im "Tunnel", wie ein Sportreporter sagen würde, und haben so intensiv Wiesn-Witterung aufgenommen, dass es rechts und links nichts anderes gibt. Schon gar keine Radler. Und die anderen, die wieder auf dem Heimweg sind - ja, mei. Straßenverkehrskompatibel sind beide nicht. Aber wie gesagt: Das hätten wir auch wieder geschafft.

Gleiches gilt für die vielen Werbeplakate, die sich den Ruf der Wiesn marketingmäßig irgendwie zunutze machen wollten und die eine Gemeinsamkeit hatten: nämlich wenig Ahnung von Bayern oder München. Ein Unternehmen glaubte, mit der angeblichen "Wiesn-Regel #2" punkten zu können: "Trag Herz und Schleife am rechten Fleck". Ja, hat denn den Herrschaften niemand gesagt, was für ein Schmarrn diese angebliche Dirndl-Schleifen-Regel ist, ein ziemlich sexistischer noch dazu? Den Vogel schoss aber ein Plakat ab, das dazu aufforderte: "Mach's beim Bussln". Was man da machen sollte? Kautabak konsumieren, schwedischen. Im Ernst? Pfui Deifl! Allen Wiesnbesuchern, denen beim Bussln Derartiges zum Glück erspart geblieben ist, widmen wir heute ein donnerndes "Sodala, dann hätt' ma des auch wieder gschafft!" Bis zum 19. September. Ein Traum.