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Münchner Momente:Abschied in Abwesenheit

Josef Schmid hat entscheidend dazu beigetragen, dass die CSU im Rathaus mitregiert. Doch zu seiner letzten Sitzung als Stadtrat, erscheint er gar nicht

Zuletzt saß der einst mächtige Bürgermeister auf einem Stühlchen ganz hinten am Ausgang des Saals. Das konnte man durchaus symbolisch sehen, schließlich war Josef Schmid in den vergangenen Monaten nur noch Stadtrat auf Abruf. Seit Oktober 2018 gehört er dem Landtag an, nun hat er sich endgültig aus dem Stadtrat verabschiedet. Zu seiner letzten Sitzung erschien er nicht mehr, er müsse in den Landtag zur Haushaltsdebatte, hieß es in der Fraktion. Also endete Schmids Karriere im Stadtrat, den er mehr als ein Jahrzehnt mit geprägt hat, ohne ein offizielles Wort. Seine Demission wurde nicht einmal als Tagesordnungspunkt aufgerufen.

Das ist bemerkenswert bei einem Mann, der entscheidend dazu beigetragen hat, dass die CSU seit fünf Jahren im Rathaus mitregiert. Und der seine Partei als Spitzenkandidat bei der Kommunalwahl zur stärksten Fraktion gemacht hat. Das Verdienst ist umso größer, wenn man zurückblickt, in welch desaströsem und affärengeschütteltem Zustand die CSU noch Anfang der 2000er-Jahre war. Schmid hat es mit seinen Mitstreitern geschafft, die Partei wieder aufzurichten und neu auszurichten. Die CSU öffnete sich großstädtischen Milieus und zeigte sich liberaler als der Rest der Partei. Das Gesicht dieses Wandels: Josef Schmid.

Letztlich reifte nach der ordentlichen, aber dennoch verlorenen OB-Wahl bei Schmid aber die Erkenntnis, dass ihm die Kommunalpolitik keine neuen Perspektiven mehr bieten würde. Den Traum, mit dem OB eine Doppelstadtspitze zu bilden, hatte Reiter schnell platzen lassen. Also zog Schmid in den Landtag weiter, den Abschied aus dem Stadtrat zögerte er aber so lange hinaus, dass schon in seiner eigenen Fraktion nicht mehr alle Verständnis dafür hatten. Gleichzeitig gab es nicht nur Freude, dass Schmid als Landtagsabgeordneter und Rechtsanwalt nun Lobbyarbeit betreibt, was bis in die Fraktion hinein zu spüren gewesen sein soll. So endet die Ära Schmid stiller und kälter, als dieser es verdient gehabt hätte.