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Forschung:Grünes Glimmen in der Wüste

Lechtender Gecko

Der leuchtende Wüstengecko Pachydactylus rangei aus Namibia.

(Foto: David Prötzel/Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns/dpa)

Biologen der Zoologischen Staatssammlung in München haben in Namibia einen Gecko entdeckt, der nachts eine besonders gute Figur macht.

Glosse von Thomas Anlauf

München: Tiere, Sensationen! Schon wieder haben Biologen der Zoologischen Staatssammlung, der LMU und der Hochschule München eine bedeutsame Entdeckung gemacht. Nach dem Fund der Nacktdeckelschnecken, die sich weltweit nur in einem Quellbach in Bogenhausen räkeln, und der Beobachtung, dass sich ihre fernen Verwandten, die Bierschnegel, gerne aneinander kuscheln, erreicht uns nun folgende Nachricht: Geckos leuchten!

Schon klar, nicht jede Münchnerin hat einen Gecko neben sich auf dem Sofa sitzen, sondern höchstens den Partner, der nicht zwingend eine Leuchte ist. Deshalb mussten die Biologen für ihre Forschung raus auf die Straße. Bis sie nach vielen nächtlichen Wanderungen schließlich in der Wüste Namibias ein grünes Glimmen entdeckten. Da saß tatsächlich im afrikanischen Mondschein eine Echse im Sand und glühte vor sich hin. Die Flanken, also die Hüften, waren wie "mit einem Textmarker hervorgehoben", schwärmen die ausgeschwärmten Wissenschaftler.

Als Münchner kennt man ja, was das eigentlich bedeutet: Mit einem Marker kringelt der Schönheitschirurg die Fettpölsterchen ein, die natürlich unbedingt abgesaugt werden müssten. Aber was soll man sagen - das Urviech aus Namibia, dessen Vorfahren schon vor 50 Millionen Jahren die Erde unsicher machten, macht eigentlich eine gute Figur, zumindest nachts.

Während andere Leute tagsüber zur Arbeit gehen und sich darum kümmern, dass etwas Gescheites auf den Tisch kommt, geruht der Gecko sich auszuruhen, um sich dann am Abend wieder hübsch zu machen für ein Rendezvous unter dem südlichen Sternenhimmel. Das sanft schimmernde Mondlicht betont dank des Fluoreszenzvermögens des Geckos dessen Taille und die unwiderstehlichen Augen mit den schmalen Pupillen. Die Münchner Forscher haben entdeckt, dass auch die Augen fast überirdisch strahlen. Doch am nächsten Morgen sieht das anders aus: Das magische Leuchten sind tiefe Augenringe.

© SZ vom 13.01.2021/vewo
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