München:Wo Sophie Scholl Abschied nahm

Weiße-Rose-Zaun Haidhausen

Sophie Scholl beim Abschied vom Bruder und von Freunden: Diese Fotos entstanden an diesem Zaun.

(Foto: Florian Peljak)

Großes Interesse für den Weiße-Rose-Zaun an der Orleansstraße

Von Ilona Gerdom

Normalerweise sind Zäune weder besonders spannend noch bekannt. Anders verhält es sich mit dem an der Orleansstraße. Er ist auf einem historischen Gruppenfoto der Widerstandgruppe Weiße Rose, das im Juli 1942 aufgenommen wurde, zu sehen. Bald soll auf dem angrenzenden Grundstück allerdings ein Wohn- und Büroquartier entstehen.

Nun gibt es zahlreiche Interessenten, die gerne ein Stück der Umzäunung hätten, um die Weiße Rose in Erinnerung zu halten. Wer etwas davon bekommt, ist aber noch lang nicht geklärt. Laut Kulturreferat handelt es sich beim Gatter selbst zwar nicht um einen "bewusst wahrgenommenen und damit historisch reflektierten Gegenstand", dennoch sei der Ort einer, der als wichtiger Treffpunkt der Gruppe in Erinnerung zu halten sei. Dessen sei sich auch die Eigentümerin des Grundstücks, die Orleanshöfe GmbH, bewusst und wolle dies im zukünftigen Areal berücksichtigen. Darüber hinaus wurde ein runder Tisch eingerichtet, um zu entscheiden, wer die Eisenstreben bekommt.

Einer, der zu dieser Runde gehört, ist Thomas Weidner, Sammlungsdirektor des Münchner Stadtmuseums. Ihm zufolge gibt es "sehr, sehr viele Anfragen". Darunter ist zum Beispiel auch der Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt, der sich dafür aussprach, dass ein Teil des Weiße-Rose-Zauns am Geschwister-Scholl-Platz aufgebaut wird. Doch nicht nur Gremien und Schulen aus München haben bereits ihr Interesse bekundet. Mit der Bitte um ein Stück der erinnerungswürdigen Umzäunung hätte sich zum Beispiel auch die SPD-Stadtratsfraktion Magdeburg eingebracht, berichtet Weidner. Generell seien die Bewerber "bunt gemischt" und "weit gestreut". Aber wie trifft man nun diese Entscheidung? Weidner erklärt, dass darauf geachtet werden müsse, dass nichts "auf falsche Wege" gerate. Daher werden erst einmal alle Anwärter aufgelistet und es wird nach einem passenden Auswahlverfahren gesucht.

Koordiniert wird das Ganze vom Vorsitzenden des BA Au-Haidhausen, da der Zaun derzeit in diesem Viertel steht. In den Prozess eingebunden ist neben dem Kulturreferat und dem Stadtmuseum auch die Weiße-Rose-Stiftung. Die Entscheidung über die Vergabe kann das Gremium in Ruhe treffen. Denn bis die Bauarbeiten beginnen, soll der Zaun dort bleiben, wo er ist. Und bis dahin dauert es noch. "Vor Ende 2023 passiert da gar nichts", prognostiziert Thomas Weidner.

© SZ vom 02.08.2021
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