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München:Wie es sich anfühlt, Chef zu sein

Planspiel Play the Market

Viel gelernt: Charlotte Flegel, Isabella Kuntschner, Helen Hermann (von links) von Triple Trouble.

(Foto: privat)

Beim Wettbewerb "Play the Market" trainieren Zehntklässler, unternehmerische Entscheidungen zu treffen

Von Alisa Schrauth

Am Anfang war die Überforderung. 67 Seiten Erklär-Manuskript im Selbststudium. Schüler seufzen. Und doch, sie haben sich durchgearbeitet. Die ganze Mühe für das Planspiel "Play the Market", einen landesweiten Wettbewerb des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft. 30 von 550 Teilnehmer-Teams, alle aus der zehnten Klasse, haben es bis ins aktuell laufende Halbfinale geschafft. Von ihnen kommen fünf aus München. Das Team vom Theresia-Gerhardinger-Gymnasium am Anger beispielsweise. Die drei Mädchen nennen sich "Triple Trouble" und geben bei der obligatorischen Pressekonferenz einen Einblick in ihre Arbeit - der Gewinn der Reise nach New York scheint nicht der Hauptgrund für ihre Teilnahme zu sein. "Wir interessieren uns für Wirtschaft", sagen sie. In der Pressekonferenz sind auch Lehrer-Ohren.

"Im ersten Lockdown hatten wir viel Freizeit, da hab' ich dann auch mal ein Buch in die Hand genommen", sagt Mathias und schmunzelt. Er ist Schüler am Wittelsbacher Gymnasium und mit seinem Team ebenfalls im Halbfinale. Vor lauter Langeweile etwas gelernt: Corona lässt grüßen. Für ihn war das Thema Unternehmensgründung interessant, selbständiges Arbeiten ist sein Ziel: "Ich spiele mit dem Gedanken, später was in die Richtung zu machen." Dann kam der Lehrer mit Play the Market um die Ecke, und Mathias wollte sein im Lockdown erworbenes Wissen einsetzen. Bei seinen Mitschülern warb er mit der Verheißung: "Das wird sicher spaßig." Das Team "ViPaMa" entstand - der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründer-Vornamen zusammen. Das Jungen-Team ist eines von zweien des Wittelsbacher Gymnasiums, das es bis ins Halbfinale geschafft hat. Die andere Halbfinalisten-Crew nennt sich "EFC", auch dies aneinandergereihte Anfangsbuchstaben der Mitglieder-Namen.

Auf die Frage, was die zwei Teams anders gemacht haben als die weniger erfolgreiche Konkurrenz, folgt kurzes Schweigen. "Wir haben früh Fehler gemacht und daraus haben wir gelernt", sagt Mathias. Zunächst seien beide Teams nicht optimal gestartet. Felix von EFC fügt hinzu: "Uns ist früh aufgefallen, dass es viel zu rechnen gibt." Schnell hat sein Team die Rechnerei, zumindest teilweise, automatisiert. "Das hat uns Zeit gespart, und wir konnten uns auf wichtigere Dinge konzentrieren." Und wichtig sei vor allem die Marktbeobachtung gewesen, darüber sind sich beide Gruppen einig. Sie war für die Teilnehmer auch ein Highlight während der sechswöchigen Internetvorrunde: "Jeden Mittwoch konnten wir einsehen, wie wir stehen. Für den Blick auf die Ergebnisse sind wir sogar früher aufgestanden", erzählt Mathias. Der Wettbewerbscharakter des Planspiels zieht die Schüler an, sie wollen sich vergleichen. Wie im echten Leben. Aber die beiden Wittelsbacher-Teams haben sich auch gegenseitig Tipps gegeben.

Getroffen haben sich die Schüler ein bis drei Mal wöchentlich in Telefonkonferenzen. Die Kommunikation sei durchweg gut gewesen, betonen alle Teams. "Natürlich mussten wir auch mal schwere Entscheidungen treffen, da haben wir dann schon diskutiert", sagt Isabella von "Triple Trouble". Ihr Team habe seine Entscheidungen vor allem den Zielpunkten Qualität und ökologische Verantwortung untergeordnet. "Wir haben gelernt, wie viel dazu gehört, ein Unternehmen zu führen", sagt sie. Mitarbeiter zu entlassen sei eine der weniger angenehmen Aufgaben gewesen.

Das Halbfinale läuft noch bis 29. April. Auch die Fachoberschule für Sozialwesen und Wirtschaft, Verwaltung und Rechtspflege München hat noch Chancen auf den Finaleinzug ebenso wie das Maximiliansgymnasium München. Das Finale mit den neun besten Teams aus Bayern ist für Juni geplant.

"Play the Market" ist ein jährlich stattfindendes praxisnahes Unternehmensplanspiel, das Schüler in die Position von Geschäftsführern versetzt. Sie sollen betriebswirtschaftliches Denken und Handeln, Teamfähigkeit und Kreativität lernen - in einer realitätsnahen Simulation. Ziel des Projekts ist, Unternehmergeist an die Schulen zu bringen und Berufsorientierung zu geben. Zu gewinnen gibt es eine Sprachreise nach New York. Weitere Informationen unter https://www.playthemarket.de/

© SZ vom 20.04.2021
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