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Verkehrsplanung:Auf grünen Bahnen durch die Stadt

Gefahrenstellen sollen rot markiert sein, der Rest grün.

(Foto: Radentscheid München)

Welche Farbe eignet sich am besten für Radwege? Wichtig ist das Sicherheitsgefühl

Von Ramona Dinauer

In Tübingen sind sie blau. In Berlin leuchtend grün. In Frankfurt grell rot. Welche Farbe sich für die Münchner Radwege eignen würde, haben nun die Initiatoren des Bürgerbegehrens Radentscheid München untersucht. Für eine Markierung spricht vor allem eine klarere Aufteilung im Verkehr. Fußgänger und Autofahrer wissen, wo geradelt wird. Zudem werde den Fahrradfahrern mehr Sicherheit vermittelt. Denn der Hauptgrund, warum viele lieber aufs Radfahren in der Stadt verzichten, sei die wahrgenommene Gefährlichkeit, sagt Holger Quick vom Verein Green City. Gemeinsam mit Andreas Groh, dem Sprecher des Radentscheids stellte er am Dienstag die Ergebnisse der Analyse vor.

Eine Kombination aus grünen Radwegen mit roten Abschnitten in den Gefahrenbereichen hält die Initiative Radentscheid für am geeignetsten. Maßgebend für den Wunsch nach grünen Radwegen sind die Gefahrenbereiche - diese sollten bundesweit einheitlich rot bleiben. Durch den Kontrast werde deutlich, wo besondere Aufmerksamkeit gefordert ist. Neben der Farbe Grün wurden auch Blau, Rot sowie Backsteinrot untersucht. Blau biete zwar ebenfalls einen guten Kontrast zu den roten Radwegabschnitten, die zum Beispiel Abbiegeunfälle vermeiden sollten. Jedoch grenze Blau sich nicht stark von den grauen Gehwegplatten ab. Außerdem werde die Farbe eher mit Wasser assoziiert und leichter als bloße Hintergrundfarbe wahrgenommen. Die Abgrenzung wirke dadurch schwach. Ähnlich bei den Rottönen: Leuchtendes Rot hebt sich kaum von den Gefahrenbereichen ab. Zudem werde die Farbe mit Gefahr und Verboten in Verbindung gebracht. Das abgeschwächte Backsteinrot wirke hingegen dumpf und dem Grau des Asphalts zu nahe, erklärte Quick. Bei Regen oder im Dunklen verfehlen Backsteinrot sowie Blau durch ihre mangelnde Signalwirkung ihren Zweck.

Nach der Abwägung der verschiedenen Kriterien erhielt die Farbe Grün die höchste Wertung. Auf dem grauen Untergrund sowie neben den roten Gefahrenstellen ist sie gut sichtbar. Ins Stadtbild lasse sich grün gut integrieren, besonders der ausgewählte Farbton - eine Mischung aus pflanzlichen Grüntönen. Auch farbpsychologisch halten die Initiatoren des Radentscheids ihre Auswahl für geeignet: Mit Natur und der Mobilität der Zukunft sei Grün assoziiert. Einen Konflikt mit bereits bestehenden Markierungen gebe es nicht und wesentlich teurer als die Radwege rot einzufärben sei es auch nicht. 2,5 Prozent betrage der Kostenunterschied.

Bis in München tatsächlich auf längeren Strecken über grüne Farbe geradelt wird, kann es allerdings noch Jahre dauern. "Obwohl eine unverzügliche Umsetzung des Radentscheids beschlossen wurde, arbeiten deutlich zu wenige Mitarbeiter in der Stadtverwaltung daran", sagte Groh. Er hoffe, dass noch in diesem Jahr über die Farbe der geplanten Radwege im Stadtrat entschieden werde.

© SZ vom 15.07.2020

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