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Verbraucherschutz:"Wir müssen den Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung haben"

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Telekommunikation ist seit den Neunzigerjahren ein Dauerbrenner in der Beratung. Daran hat auch das Smartphone nichts geändert.

(Foto: Andrea Warnecke/dpa)

Angefangen hat alles mit Koch- und Nähkursen. Heute blickt die Verbraucherzentrale Bayern auf 60 Jahre Arbeit - und auf die Themen der digitalen Zukunft.

Abofallen, Rechtsberatung, falsche Werbeversprechen - wer sich an die Verbraucherzentrale wendet, hat mit großer Wahrscheinlichkeit diese Themen im Kopf. Oder vieles andere, bloß nicht Koch- und Nähkurse. Dabei hat mit genau solchen vor 60 Jahren alles angefangen, sagt Marion Zinkeler, die geschäftsführende Vorsitzende der Verbraucherzentrale Bayern. Zinkeler kennt die Geschichte der Organisation und weiß somit auch, wie sich die drängendsten Themen der Gesellschaft über die vergangenen Jahrzehnte hinweg verändert haben. Die Verbraucherzentrale sei im Grunde ein Spiegel der Gesellschaft, sagt sie.

"Die Anfänge der Verbraucherzentrale gehen zurück auf 13 engagierte Frauen- und Familienverbände. Sie haben 1959 die Bayerische Verbrauchergemeinschaft e.V. gegründet", sagt Zinkeler. Der Name "Verbaucherzentrale" erschien damals nur als Untertitel. Ehrenamtliche Mitarbeiter hatten damals eben jene Koch- und Nähkurse angeboten. Dann kam das Wirtschaftswunder, der konjunkturelle Aufschwung, und mit ihnen ein Wohlstand der Mittelschicht, der es vielen erlaubte, moderne Elektrogeräte zu kaufen. "Die Menschen konnten sich plötzlich Waschmaschinen, Bügeleisen und Staubsauger leisten", sagt Zinkeler. Die Maschinen brachten große Erleichterung, warfen aber auch viele Fragen auf. Wie saugstark muss ein Staubsauger sein, wie bedient man eine Waschmaschine richtig? Und wie viel darf das alles kosten? Das seien die Themen gewesen, mit denen sich fortan auch die Verbraucherzentrale beschäftigt hat.

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Bevor Informationen im Internet abrufbar waren, gab es das sogenannte Markttelegramm der Verbraucherzentrale, in dem Preise transparent veröffentlicht wurden, darüber hinaus einen telefonischen Ansagedienst, der aktuelle Themen aufgegriffen hat. "Etwa im Dezember Ernährungsempfehlungen für die Adventszeit", sagt Zinkeler. "Damals stand die Rechtsberatung noch nicht im Vordergrund." Das habe sich erst mit einer Änderung im Rechtsberatungsgesetz 1980 ergeben. Von da an konnten Verbraucherschützer neben Produkt-, Ernährungs- und Umweltberatung erstmals eine außergerichtliche Rechtsberatung anbieten. "Das war ein wesentlicher Meilenstein der Verbraucherarbeit."

Jedes Jahrzehnt habe neue Themen mit sich gebracht, zu denen die Verbraucherzentrale auf dem Laufenden bleiben musste. "Wir müssen immer den Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung haben", sagt Zinkeler. 1973 etwa, nach der Ölkrise, hatte die deutsche Bundesregierung Fahrverbote an Wochenenden ausgesprochen. "Damals ist dann auch das Angebot der Energiesparberatung entstanden", erklärt sie.

1998 endete das Monopol der Deutschen Telekom. "Das war eine Zeit, in der einige rechtliche Fragen im Telekommunikationsbereich noch nicht geregelt waren", sagt Zinkeler. "Die Verbraucher waren unsicher." Kann ich meine Nummer mitnehmen? Welches Angebot darf wie viel kosten? Die Verbraucherzentrale bot Beratung und Orientierung. Das tut sie auch heute noch. In Bayern gibt es 16 Beratungsstellen und 88 Energieberatungsstützpunkte. Der Verein hat 120 festangestellte Mitarbeiter und Honorarkräfte. Allein 2018 gab es 36 000 Beratungen und Rechtsvertretungen. Noch immer beschäftigt viele Verbraucher das Thema Telekommunikation. Es geht dann meist um schlechte Erreichbarkeit oder falsche Abrechnungen. Abgesehen davon sind die Kündigungen von Prämiensparverträgen, die Pleiten von Touristikkonzernen und Energieanbietern, sowie Plastik- und Müllvermeidung in der Beratung extrem wichtig geworden.

Und in Zukunft? "Ich denke, dass die Bürger viele Themen beschäftigen werden, die mit der Digitalisierung zusammenhängen", sagt Zinkeler. Man merke das schon jetzt, wenn es etwa um Probleme mit dem Ticket-Zweitmarkt oder Intransparenz bei Bewertungs- und Partnerportalen gehe. "Datenschutz und Datenkontrolle - alles was Verbraucherrechte in der digitalen Welt angeht - sind zentrale Themen der Gegenwart und nahen Zukunft", weiß Zinkeler.

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