Typisch deutsch:Die Münchner und ihre Knausrigkeit beim Einkaufen

Typisch deutsch: SUV-Käufer gelten als protzig - doch im Discounter scheinen sie auch noch eine andere Seite zu haben (Symbolbild).

SUV-Käufer gelten als protzig - doch im Discounter scheinen sie auch noch eine andere Seite zu haben (Symbolbild).

(Foto: Stephan Rumpf)

Warum achten Menschen, die einen wuchtigen Geländewagen fahren, beim Discounter kleinlich auf jeden Cent? Unser Autor steht vor einem Rätsel.

Kolumne von Olaleye Akintola

Die Dynamik der Lebensmittelpreise in den Supermärkten kann selbst den klügsten Käufern den Kopf verdrehen. Immer wieder drängen neue Produkte auf den Markt, mit verlockenden Angeboten und Versprechungen. Man kann die Münchner beim Sondieren beobachten. Wie sie abwägen, welches Produkt sie kaufen sollen. Ihre Augen scannen aufmerksam die Lebensmittelpreise, sie sind wie Astrologen, die in den Sternen lesen. Soll ich mich für die 80-Cent-Tüte Milch entscheiden oder bin ich doch bereit, 90 Cent zu investieren? Es gibt ja auch noch andere Rechnungen, die sich stapeln.

In Bayerns Supermärkten gibt es eine Vielzahl von gut präsentierten Waren, die zur Völlerei verführen. Oft konnte ich sehen, wie die Einkäufer ihre Einkaufswagen in den Supermärkten bis zum Rand füllten. Und ich merke, wie der eigene Kopf mit der Zeit zu rattern beginnt. Die Spitzenprodukte, also die vermeintlich höchste Qualität zum günstigsten Preis, sind schnell weg, an Samstagen bleiben einem in manchen Läden nur noch die Reste einer Woche. Mit der Zeit habe ich so meine Tricks entwickelt. Oder doch nicht?

Einige bis dahin teure Produkte werden mit Rabatt verkauft, mit einem roten Etikett auf dem Produkt, das einem deutlich vor Augen führt, dass hier ein Schnäppchen lauert. Verderbliche Waren werden aufgrund ihres Lebenszyklus lächerlich billig angeboten. Und so wird der Einkaufskorb zu einem Korb ohne Boden. Verflixt, so viel wollte ich doch gar nicht kaufen.

Es scheint mir, dass selbst viele Wohlhabende in Bayern versuchen, bei jeder Gelegenheit zu knausern und zu sparen. Besonders wenn es um Lebensmittel geht. Woher kommt die Geiz-ist-geil-Kultur bei den sozialverschuldeten Bayern? Man sieht in München Leute, die aus ihrem Porsche aussteigen, um an einer bestimmten Tankstelle Schlange zu stehen, weil sie dort am billigsten tanken können.

Es macht ihnen nichts aus, weite Strecken zu fahren, um fünf Cent weniger zu bezahlen. Man sieht Frauen aus ihren SUVs aussteigen, um im Lidl Pfennige zu fuchsen. Andere warten, bis die Hersteller am Ende eines Jahres Ausverkäufe anbieten, um Designerkleidung, Taschen und Parfums mit Rabatt abzustauben. Solange Sie in Bayern leben, brauchen Sie keinen Kurs in Haushaltsführung zu besuchen. Sie werden unbewusst geschult, wo Sie die billigsten Lebensmittel und Schuhe bekommen.

Klar, es nimmt der Anteil jener zu, die nun mehr auf Qualität und Herkunft der Ware achten, statt nur auf den Preis. Die Leute, die von einer spezialisierten Küche zur anderen springen, ob thailändisch oder äthiopisch, um zu essen. Sie lassen ihr Essen speziell kontrollieren und ihr Wasser in goldene Plastikbehälter abfüllen. Und - soviel sei der Fairness halber gesagt: Auch hier ist anzunehmen, dass sie ein teures Auto fahren.

Übersetzung aus dem Englischen: Korbinian Eisenberger

© SZ vom 18.09.2021/lfr/vewo
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