Kritik:Reden über Eden

Da war Eden

Désirée von Delft und Sebastian Fischer als Eva und Adam am Teamtheater Tankstelle.

(Foto: Christof Arnold)

Am Teamtheater Tankstelle spielen die einstigen "Sturm der Liebe"-Darsteller Désirée von Delft und Sebastian Fischer Adam und Eva.

Von Yvonne Poppek, München

Hinterher ist man immer klüger. Adam und Eva beispielsweise hatten diverse Erkenntnisse auch erst, nachdem sie die Äpfel gegessen hatten. Dass also Adam erst nach dem Tod von Eva weiß, was er eigentlich an ihr hatte, ist nicht weiter verwunderlich. Höchstens, dass er als Erstentdecker der Welt - Naturbursche nichts dagegen - seine späte Liebeserklärung in feinster Handschrift an die Wand malt: "Wo immer sie war, dort war Eden."

Sebastian Fischer ist dieser Adam. Am Teamtheater Tankstelle hat Jacoub Eisa Mark Twains "Das Tagebuch von Adam und Eva" eingerichtet, ganz kurz war der Abend im Herbst zu sehen, jetzt wird er noch dreimal vor der Sommerpause gezeigt. "Da war Eden" ist die Inszenierung überschrieben. An der Seite von Fischer spielt Désirée von Delft die Eva. Die beiden Schauspieler kennen sich von den Dreharbeiten zur Fernsehserie "Sturm der Liebe". Und so etwas wie ein Stürmchen der Liebe ist es auch, was Adam und Eva erleben. Bei Eisa sind die beiden sehr sittsame Erstmenschen. Eva trägt ein weißes Kleid, Adam eine weiße Hose. Nackt sind lediglich die beiden zerstückelten Schaufensterpuppen, die neben den Lavasteinen zum Bühnenbild gehören. Eisa hat den kurzen Text von Twain auf eine gute Stunde komprimiert. Mehr als Erde und Apfelbaum erforschen Frau und Mann hier das seltsame andere Geschlecht, Mutterschaft und Nachwuchs - allerdings, wie es Twains Tagebuch-Form vorgibt, rein gedanklich. Twains Ton ist ironisch, eine radikale Umdeutung oder Neuerfindung der biblischen Geschichte nimmt er nicht vor.

Das ist für den Abend ein bisschen die Krux. Wer auf eine überraschende Wendung oder einen widerspenstigen Gedanken wartet, wartet vergeblich. Delft und Fischer deuten zudem ihre Rollen kindlich-naiv aus, so löst sich die Ironie zwischen den eingestreuten Filmsequenzen und Musikeinspielungen, den scheuen Bühnenbegegnungen und schnellen Szenenwechseln auf wie Brause im Wasserglas. Der Inszenierung würde die Resonanz eines nicht so arg vereinzelt sitzenden Publikums sicher gut tun. Manch Witz offenbart sich eben erst, wenn er umzingelt ist.

Da war Eden, Fr. u. Sa., 30. u. 31. Juli, 20 Uhr, So., 1. August, 18 Uhr, Teamtheater Tankstelle, Am Einlaß 2a, Tel. 260 43 33

© SZ/chj
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