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Städtepartnerschaft mit Israel:"Ein starkes und wichtiges Zeichen"

Abendstimmung Zwei Personen auf einem Weg Blick auf Hochhäuser von Be er Scheva Israel Asien ***

Abendstimmung in Be'er Scheva: Am Mittwoch soll die Städtepartnerschaft offiziell besiegelt werden.

(Foto: imago/imagebroker)

An diesem Mittwoch will München eine Partnerschaft mit Be'er Scheva in Israel eingehen - ausgerechnet München, die einstige "Hauptstadt der Bewegung" der Nazis. Der neue Vertrag soll auch ein Zeichen gegen Antisemitismus sein.

Von Heiner Effern

Die israelische Stadt Be'er Scheva soll die achte Partnerstadt Münchens werden. Die beiden Oberbürgermeister wollen das Abkommen noch an diesem Mittwoch unterzeichnen, sobald auch der Münchner Stadtrat zugestimmt hat. Eine breite Mehrheit im dafür zuständigen Verwaltungs- und Personalausschuss gilt als sicher. In Be'er Scheva ist der Beschluss bereits gefallen. "In Zeiten, in denen antisemitische Ressentiments auch bei uns leider wieder zunehmen und Jüdinnen und Juden auf offener Straße angegriffen werden, setzen wir diesem menschenverachtenden Hass und der Gewalt unsere Freundschaft entgegen", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

München will damit bewusst ein Zeichen setzen, das ist dem Oberbürgermeister wichtig. "Ich finde, jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt für eine neue Städtepartnerschaft und genau der richtige Zeitpunkt, um unsere enge Verbundenheit mit den Menschen in Israel und insbesondere mit der Stadt Be'er Scheva zum Ausdruck zu bringen." Er freue sich auf "hoffentlich viele persönliche Begegnungen zwischen den Menschen", um die Städtepartnerschaft mit Leben zu füllen. Die ersten Schritte müssen noch auf digitalem Weg erfolgen. Reiter hat sich für Mittwoch mit seinem israelischen Kollegen Ruvik Danilovich am Bildschirm verabredet, um das Abkommen gemeinsam zu unterschreiben.

Der Schritt trifft auch in der jüdischen Gemeinde auf Wohlwollen. "Dass nach so vielen Jahren und vielen Bemühungen endlich eine Städtepartnerschaft zwischen unserer Weltstadt mit Herz und einer Stadt in Israel begründet werden kann, ist eine wunderbare Nachricht für die Menschen in beiden Städten", sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Der Austausch zwischen Deutschland und Israel werde nochmals erleichtert. "Die zwischenmenschlichen Bande können gerade heute, da leider Hass und Misstrauen in allen Gesellschaften auf dem Vormarsch sind, gar nicht eng genug geknüpft sein."

Angeschoben haben die sich nun neu anbahnende Städte-Freundschaft die Fraktionen von Grünen und SPD. Im September 2020 reichten sie den Antrag ein, für München eine israelische Partnerstadt zu suchen. Die Rolle der Vermittlerin übernahm nach einem Telefonat mit OB Reiter die Generalkonsulin in München. Sie schlug im Oktober mehrere interessierte Partner vor. Entgegen erster Spekulationen kamen nicht die bekannten Großstädte Tel Aviv oder Haifa zum Zug, sondern das in der Negev-Wüste gelegene Be'er Scheva. Am 16. Juni gab es einen digitalen Kennenlern-Termin, an dem auf Münchner Seite neben der Stadtspitze auch Vertreter aller Stadtratsfraktionen teilnahmen. Das Videogespräch sei "in einer offenen, freundschaftlichen und konstruktiven Atmosphäre" verlaufen, heißt es in der Beschlussvorlage für den Stadtrat.

Das erlebten auch die Stadträte Dominik Krause (Grüne/Rosa Liste) und Felix Sproll (SPD/Volt) so. Doch nicht nur deshalb ordnen sie die Entscheidung für eine israelische Partnerstadt als "historisch" oder als "ein starkes und wichtiges Zeichen" ein. Schließlich war München als "Hauptstadt der Bewegung" ein Zentrum der Nationalsozialisten und damit ein wesentlicher Faktor bei der Vernichtung jüdischen Lebens. Doch bei Zeichen soll es nicht bleiben, wenn es nach den Stadträten geht, sie wollen eine lebendige Partnerschaft. Die Voraussetzungen seien gut, sagt Volt-Stadtrat Sproll. "Beides sind sehr innovative Städte, die schnell wachsen, gerade auch im digitalen Bereich." Auch Grünen-Stadtrat Krause freut sich auf inspirierende Treffen. "Israel ist ein wahnsinnig spannendes Land mit einer sehr interessanten Gesellschaft und Kultur."

Seit 25 Jahren ist München keine Beziehung zu einer anderen Stadt mehr eingegangen. Damals kam es zu einer Partnerschaft mit der Stadt Harare in Simbabwe. Diese sowie auch die Beziehungen zu Edinburgh, Verona, Bordeaux, Sapporo, Cincinnati und Kiew sind mehr oder weniger stark eingeschlafen. Auch das will der Stadtrat ändern, dafür wurde eigens ein interfraktioneller Arbeitskreis gegründet. Neben dem Austausch an Schulen und Universitäten könnten sich zum Beispiel auch Politiker enger vernetzen, sagt Stadtrat Sproll, das gehe auch mal unkompliziert digital. "Da können alle davon profitieren."

© SZ vom 21.07.2021/berk
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