München "Sieht schon ganz flott aus"

Der Memminger Platz nördlich des Moosacher Bahnhofs war lange Zeit zweckentfremdet. Nun wurde er für 7,3 Millionen Euro neu gestaltet, um als Treffpunkt attraktiver zu werden

Von Anita Naujokat

Moosach - Die Bäume sind noch jung, und auch der Platz ist es, obwohl er schon vor 90 Jahren seinen bis heute gültigen Namen erhielt: der Memminger Platz nördlich des Bahnhofs Moosach. Ursprünglich war er eigentlich nur ein Teil des vom Bahnbau 1890/1891 unterbrochenen Untermenzinger Wegs. Später diente er lange Zeit nur als Parkplatz, Bushalt und Baustelleneinrichtung für den U-Bahnbau. Nach der Eröffnung der U 3 Nord vom Olympia-Einkaufszentrum zum Moosacher Bahnhof im Dezember 2010 erhielt auch der Memminger Platz ein neues Gesicht. Die Autos wurden in eine Tiefgarage verbannt, eine großzügige Buswendeschleife entstand, in deren Zentrum vor einem Jahr eine Streetball-Arena, eine Grasinsel zum Verweilen und ein Café mit Freischankfläche eröffnet wurden. 7,3 Millionen Euro investierte die Stadt, um das Umsteigen, aber auch den Aufenthalt attraktiver zu machen. Es ist ein Verkehrsknotenpunkt: Regionalzüge, S- und U-Bahn, Busse bis Dachau, Allach und Pasing und auf der anderen Seite der Gleise die Tramlinie 20. Deshalb eilen auch viele Menschen hier vorbei, und manche verweilen hier auch. Und das sind ihre Eindrücke vom neuen Platz:

Der Jugendliche

Shabban, 14, kommt fast jeden Tag in die Freiluft-Arena zum Trainieren. Die Zuschauertribüne bildet die Rückwand der Tiefgaragenrampe mit dem Graffito des jungen Künstlers Johannes Liehr, das eine übergroße Match-Szene zeigt. "Der Platz ist ziemlich gut", sagt Shabban, der in einem Münchner Verein Basketball spielt. Am Anfang sei er skeptisch gewesen, ob er mitspielen dürfe. Doch es gebe keine dominierenden Gruppen. Jeder lasse jeden mitmachen, auch kleine Kinder dürften an den Korb, sagt er. "Wenn zwölf da sind, macht man spontan vier Dreierteams, auch wenn man sich untereinander gar nicht kennt. Jeder, der kommt, ist akzeptiert." Shabbans Anregung: ein zweiter Korb. Außerdem sei der Boden ein wenig schief.

Vielleicht war es ihnen aber auch nur zu heiß, denn die jungen Bäume bieten kaum Schatten.

(Foto: Catherina Hess)

Der Busfahrer

Er kennt den Platz seit 18 Jahren und ist fast täglich dort, wenn er Dienst hat, möchte aber nicht mit Namen in der Zeitung stehen. Früher habe es nur die Wendeschleife, einen Grünstreifen und einen Durchgang zum Parkverhau gegeben, erzählt er. Jetzt sei der Platz ganz gut geworden. "Das hat sich schon mit den neuen Hotels und Geschäften auf der anderen Seite ins Positive geändert", sagt er. An Wochenenden sei zwar nicht so viel los, aber wochentags sei es belebt, so sein Eindruck. Er ärgert sich nur noch darüber, dass immer wieder Autos von der Untermenzinger Straße in die Buswendeschleife fahren - entgegen der Einbahnrichtung.

Der Geschäftsmann

Öget Cengiz ist Inhaber des Dolphin-Markets, der direkt an den Memminger Platz grenzt. Auch er kennt diesen Ort seit vielen Jahren. Geprägt hätten ihn früher Parkplätze, aber auch das Grün und die vielen alten Bäume. "Das war schön früher", sagt er. "Das braucht jetzt seine Zeit, bis das wieder wird mit den Bäumen und so." Zwar hat das Baureferat 62 neue Bäume in und um den Platz angepflanzt, allein 36 im Rund der zentralen Fläche, die einmal einen lichtdurchlässigen Hain bilden sollen. Doch sie sind noch zu klein, um Schatten zu spenden oder einen grünen Akzent zu setzen. Schutz vor sengenden Sonnenstrahlen ist auf dem zentralen Rund nicht zu finden, außer unter den Sonnenschirmen und dem halbrunden Dach des Cafés. Doch verglichen mit früher "ist jetzt viel mehr los", sagt Cengiz. Fürs Geschäft sei das gut.

Das neue Café am Memminger Platz.

(Foto: Catherina Hess)

Die Anwohnerin

"Sieht schon ganz flott aus, ein bisschen kahl insgesamt", sagt eine langjährige Anwohnerin, die nicht mit Namen in der Zeitung stehen möchte. "Doch eigentlich ist das hier nur ein Durchgangsplatz. Viel spielt sich hier nicht ab." Sie kenne den Platz nur vom Vorübergehen. Dass sie dort sitze, sei ein Zufall. Sehr gut sei die Streetball-Arena, weil so kein wildes Gekicke stattfinde. Die jungen Leute brauchten schließlich auch etwas. "Schön wären noch ein paar grüne Flecken und vielleicht auch ein Brunnen", sagt sie. München habe viele Brunnen, da hätte auch einer für den Memminger Platz abfallen können. Eine Aufwertung sei die Gestaltung auf jeden Fall, auch wenn es lange gedauert habe. "Ich glaube aber nicht, dass der Platz jemals wie ein richtiger Platz genutzt werden wird."

Die Café-Betreiber

"Super. Es ist wirklich schön hier. An den Nachmittagen kommen die Jugendlichen und fangen an zu spielen. Manchmal haben sie auch Musik dabei. Und an den Wochenenden ist es sehr familienfreundlich", sagt Lyasin Elma. Ihr Mann ist Pächter des kreisrunden Cafés auf dem Platz, wo es auch Pizza und internationale Spezialitäten gibt. Die Kunden sind Busfahrer, Leute, die zur U-, S-Bahn oder den Bussen eilen, von dort kommen, sich die Zeit bis zur Abfahrt vertreiben oder den Sportlern zuschauen. Es sind nicht nur Jugendliche. Ein Mann in Anzughose und Hemd wirft auch ein paar Bälle. Lyasin Elma hilft an diesem Tag aus und hat die beiden Töchter dabei. Die Jüngere schiebt gerade ihren Puppenwagen auf Rollschuhen durchs Rund der Arena, er fällt immer wieder um. Das stört aber keinen. Als es der Kleinen langweilig wird, stakst sie auf ihren Rollen zurück ins Café.

Noch scheinen die Moosacher ihren Memminger Platz noch nicht so richtig entdeckt zu haben.

(Foto: Catherina Hess)

Die Mutter

"Ehrlich gesagt, habe ich den Platz erst an einem Sonntag entdeckt", sagt Tanzeem Haque. "Unter der Woche habe ich immer den Tunnelblick: S-Bahn, U-Bahn, einsteigen, Uni." Auch an diesem Sonntag wollte sie eigentlich gleich mit dem Bus weiter nach Hause fahren. Doch das Wetter ist schön, Tochter Naila (4) habe sich ein Eis verdient, und jetzt fahren sie später und sitzen an einem der Cafétische im Schatten. "Es ist ganz ruhig und gemütlich hier", stellt Tanzeem Haque fest und blickt sich um. "Ich glaube nicht, dass man hier etwas verbessern könnte." Eigentlich verbinde sie Plätze mit Märkten, wie am Hohenzollernplatz oder dem Josephsplatz. "Doch das hier ist ein direkter Platz am Bahnhof. Da holt man sich schnell sein Frühstück und hält sich nicht länger auf." Unter der Woche habe eh kaum einer Zeit dafür.

Das Pärchen

Carlos Ramirez und Katja Wunder sind das erste Mal auf dem Memminger Platz. Er trifft dort seine Mitfahrgelegenheit nach Deggendorf, sie begleitet ihren Freund zum Abschied. Die Spielarena finden sie cool. Ansonsten sei wenig los. "Es könnte spannender sein", sagt Katja Wunder. Sie lebt in der Altstadt. Verglichen mit dem dortigen Trubel sei der Memminger Platz sehr entspannend. Für Carlos Ramirez hat er zu wenig Grün, um ein typischer Familienplatz zu sein. "Das hier ist eher ein Treffpunkt", sagt er, "weil hier vieles hält".