Nahverkehr Münchner S-Bahn soll schneller ausgebaut werden

Mehr Gleise und Banhöfe, sowie engere Taktungen. Für die nächsten Jahre ist viel geplant.

(Foto: picture alliance / Matthias Balk)
  • Da München immer weiter wächst, will der Freistaat das S-Bahnnetz schneller und großzügiger als geplant ausbauen.
  • Künftig sollen zum Beispiel S-Bahnen auf dem Nordring fahren, wo bislang nur Güterzüge unterwegs sind.
  • Das Planungsreferat fordert darüber hinaus einen Zehn-Minuten-Takt auf allen Linien im stadtnahen Bereich.
Von Dominik Hutter

Der Ausbau der Münchner S-Bahn sollte nach Meinung der Stadt rascher ablaufen und großzügiger ausfallen als bisher vom Freistaat geplant. So will das Planungsreferat zur Eröffnung des zweiten S-Bahn-Tunnels im Jahr 2026 deutlich mehr Züge auf den Schienen sehen als im bisherigen Betriebskonzept vorgesehen - angesichts der zahlreichen Neu-Münchner müssten die vor etlichen Jahren erstellten Planungen "dringend überarbeitet" werden.

Schneller gehen soll es auch mit dem Ausbau des Nordrings, auf dessen Gleisen bislang nur Güterzüge unterwegs sind. Im Konzept des Freistaats könnten dort möglicherweise nach der Eröffnung der zweiten Stammstrecke auch S-Bahnen verkehren. Die Stadt hält den Nordring jedoch für so bedeutsam, dass sie sich schon vorher eine "kurzfristige Lösung" wünscht. Ob das klappt, ist offen, die Ergebnisse einer Studie werden im Herbst erwartet.

Die umfangreiche Prioritätenliste von Stadtbaurätin Elisabeth Merk wurde bereits vom Stadtrat abgesegnet und soll in die laufenden Gespräche über den S-Bahn-Ausbau eingespeist werden - zuständig ist eigentlich der Freistaat. Skeptisch sind die kommunalen Planer vor allem beim Betriebskonzept nach Inbetriebnahme des zweiten Tunnels, das auf veralteten Bevölkerungsprognosen basiere.

Die einst für den Eröffnungstermin der Inbetriebnahme angenommene Einwohnerzahl von 1,556 Millionen sei jetzt schon erreicht, entsprechend müsse für deutlich mehr Fahrgäste geplant werden. Bislang ist ein 15-Minuten-Grundtakt angekündigt, auf einigen Linienästen sollen zusätzlich alle 30 Minuten Express-S-Bahnen fahren. Auf vier Außenstrecken bleibt es jedoch beim 20-Minuten-Takt, lediglich im Berufsverkehr wird auf Zehn-Minuten-Abstände verdichtet.

30 Millionen

Kilometer sollen die Züge der Münchner S-Bahn pro Jahr zurücklegen, wenn 2026 die zweite Stammstrecke ans Netz geht. Das wäre ein Plus von rund 40 Prozent. Die Stadt München hält dies nicht für ausreichend. Aktuell absolviert die S-Bahn 21 Millionen Zugkilometer.

Dem Planungsreferat ist das zu wenig. Ziel müsse auf längere Sicht weiterhin der Zehn-Minuten-Takt auf allen Linien im stadtnahen Bereich bleiben. Die Chancen für Verbesserungen dürften nicht allzu schlecht sein: Der Freistaat hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass das angekündigte (und im Genehmigungsverfahren eingereichte) Betriebskonzept nur vorläufig ist und bis 2026 durchaus noch verbessert werden kann. Der 15-Minuten-Takt ist ohnehin umstritten, da er an vielen Stationen nicht zu den Takten der Anschlussbusse passt und sich die Abfahrtszeiten nur schwer merken lassen. An einigen Stationen bedeutet der Viertelstundentakt zumindest in der Stoßzeit sogar eine Verschlechterung.

Wenig zukunftsweisend finden die kommunalen Planer auch den geplanten dreigleisigen Ausbau der stark belasteten S 4 westlich von Pasing. Deutlich besser sei es, noch ein viertes Gleis zu verlegen. Die jetzige Sparlösung entspreche nur eingeschränkt den tatsächlichen Anforderungen. Im Planungsreferat genießt die S 4 hohe Priorität, der Freistaat will allerdings erst Mitte 2025 mit dem Ausbau beginnen.