Kritik:Delikater Klang

Lesezeit: 1 min

Der Pianist Rafał Blechacz glänzt im Prinzregententheater mit Bach, Chopin und César Franck.

Von Paul Schäufele, München

Wenn Rafał Blechacz die Bühne des Prinzregententheaters betritt, glaubt man kaum, dass sein Sieg beim Warschauer Chopin-Wettbewerb schon siebzehn Jahre zurückliegt. Noch immer wirkt er jünglingshaft, hält den Rücken ein wenig zu gerade und bewegt sich tendenziell linkisch. Dabei hat er sich entwickelt. Die c-Moll-Partita von Bach spielt er mit dem ganz eigenen Zugang, den er zu diesem Komponisten gefunden hat.

Blechacz tut nicht so, als wäre das Klavier ein Cembalo. Er kleidet die barocken Sätze in delikaten Klang, dynamisch hochdifferenziert und mit sensiblem Cantabile. Man müsste schon ein Spielverderber sein, um zu urteilen, dass sich das Stück anhört wie eine professionelle Stilkopie - Chopin gibt sich als Bach aus. Zumal Blechacz jede romantische Geste ausgleicht durch seinen intellektuellen Überblick. Allerdings: Beethovens fünfte Sonate will man ihm nicht so recht abkaufen. Das emotionale Korsett, das er sich für Bach und Chopin zugelegt hat, engt hier zu sehr ein. Allein im agilen Finale erlaubt er sich Lockerungen.

Mal innig, mal fast donnernd

Ganz bei sich ist Blechacz in der zweiten Programmhälfte. Das melancholisch fließende "Prélude, fugue et variation" von César Franck wird zur innigen Phantasie, ehe die ebenfalls in h-Moll stehende dritte Chopin-Sonate den glänzenden Abschluss bereitet. Vital und heroisch der erste Satz, eine funkelnde Miniatur das Scherzo, von betörender Klangschönheit das Largo. Im Finale erlaubt Blechacz sich fast zu donnern. Und auf dieses "fast" kommt es an, denn nie käme es diesem Pianisten in den Sinn, ein Stück aufzuführen nur um des Effektes willen, nur um sein Publikum zu rühren oder zu begeistern. Er will ein Werk so präsentieren, dass seine Größe am besten zur Geltung kommt. Das gelingt ihm oft, dank seiner pianistischen Überlegenheit, die stets reflexiv abgefedert wird. Das ist legitim, doch in seinen schwachen Momenten - wenige sind es - kann man es auch für Kälte halten.

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