Kongress im April 1966:Als die Olympischen Spiele nach München kamen

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Kongress im April 1966: Nach dem Zuschlag für die Spiele 1972 wird die Münchner Delegation um Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (Mitte auf der Gangway mit Brille) bei ihrer Rückkehr vom IOC-Kongress 1966 am Flughafen begeistert gefeiert.

Nach dem Zuschlag für die Spiele 1972 wird die Münchner Delegation um Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (Mitte auf der Gangway mit Brille) bei ihrer Rückkehr vom IOC-Kongress 1966 am Flughafen begeistert gefeiert.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Beim IOC-Kongress in Rom setzte sich München vor 56 Jahren gegen die Mitbewerber Detroit, Montreal und Madrid durch. Ein Rückblick.

Die Begeisterung war groß, als die Delegation, angeführt vom jungen Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD), aus Rom kommend auf dem Flugplatz in Riem landete: Sie hatte ja auch Großes im Gepäck - die Zusage des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), dass München 1972 die Sommerspiele ausrichten darf. An diesem Dienstag jährt sich dieses Ereignis. Am 26. April 1966 setzte sich München auf der IOC-Session in der italienischen Hauptstadt im zweiten Wahlgang mit 31 Stimmen gegen Montreal (15 Stimmen) und Madrid (13) durch; im ersten Durchgang war bereits Detroit ausgeschieden.

Als die IOC-Mitglieder nach der geheimen Wahl den Raum betraten, in dem die Delegationen der Bewerberstädte warteten, hatte Hans-Jochen Vogel zunächst ein Schreck durchzuckt. Der kanadische IOC-Vertreter hatte Jean Drapeau, den Bürgermeister von Montreal, überschwänglich umarmt. Ein schlechtes Zeichen? Erst ein Blick zum deutschen IOC-Mitglied Willi Daume beruhigte Münchens Stadtoberhaupt: Daume trug die Hand eng am Oberkörper und reckte den Daumen. Dieses Zeichen hatten die beiden Olympia-Vorkämpfer vorher verabredet.

Kurz darauf verkündete IOC-Präsident Avery Brundage offiziell: "The Games are awarded to Munich." Und Vogel gab umgehend ein Telegramm an den bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel (CSU) auf: "München Olympiastadt 1972! Bitte Herrn Bundeskanzler zu verständigen." Der hieß damals Ludwig Erhard (CDU) und hatte, als Daume und Vogel ihm die Olympia-Idee im November 1965 bei Kaffee und Kuchen im Kanzlerbungalow in Bonn präsentiert hatten, entschieden, man könne "nicht immer Trübsal blasen und dem Volk Unerfreuliches verkünden", die Leute bräuchten auch mal "gute Nachrichten".

Die hatten sie nun, auch wenn sich der OB nach der Rückkehr von der Vergabe gleich am Flughafen bemühte, Übermut einzudämmen. Jeder Münchner müsse nun mithelfen, damit das Vorhaben gelinge, mahnte Hans-Jochen Vogel, "Enttäuschungen" seien unvermeidbar: "Eine unsichtbare Stoppuhr tickt schon."

Als Erinnerung an die Vergabe der Spiele wird der Olympiaturm, das höchste Bauwerk der Stadt, an diesem Dienstag nicht - wie seit Kriegsbeginn - in den Farben der Ukraine (Blau und Gelb) illuminiert, sondern in den Münchner Stadtfarben Gelb und Schwarz.

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