Oktoberfest:Wie die Wiesn nachhaltiger werden könnte

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Oktoberfest: Die Grünen sind überzeugt davon, dass sich auch auf dem Oktoberfest "die Menschen Alternativen zu Hendl, Schweinsbraten und Steckerlfisch wünschen".

Die Grünen sind überzeugt davon, dass sich auch auf dem Oktoberfest "die Menschen Alternativen zu Hendl, Schweinsbraten und Steckerlfisch wünschen".

(Foto: Robert Haas)

Veganes auf dem Teller, ausschließlich regionale Produkte und elektrische Grills: Lokalpolitiker präsentieren Ideen für ein klimafreundlicheres Oktoberfest.

Von Julian Raff

Immerhin, der Stoff, um den sich fast alles dreht, ist kraft des Reinheitsgebots seit 506 Jahren garantiert vegan. Ansonsten sind "klimaneutral" oder "nachhaltig" aber nicht die ersten Begriffe, die einem zur Wiesn einfallen, allein schon wegen der Zigmillionen Flugkilometer, die sie auslöst. Wenigstens auf der Theresienwiese selbst könnte es aber klimagerechter zugehen, findet der Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt - und macht konkrete Vorschläge.

Zwar verbessern Wirte und Schausteller schon heute ihre Klimabilanz mit Aufforstungs- und anderen Kompensationsprojekten, was wertvolle Öko-Punkte im Bewerbungsverfahren bringt - allerdings unabhängig vom Schauplatz der Aktionen. Der BA wünscht sich Ausgleichsmaßnahmen in München und Umgebung, statt im tropischen Regenwald.

Einwegverpackungen sind in den großen Zelten kaum noch anzutreffen und sollten nach den Vorstellungen des BA auch aus dem Angebot kleiner Wiesn-Standl verbannt werden. Das größte Potenzial macht der BA aber in der Großgastronomie aus: Die BA-Grünen sind überzeugt davon, dass sich auch auf dem Oktoberfest "die Menschen Alternativen zu Hendl, Schweinsbraten und Steckerlfisch wünschen". Umso mehr gelte dies, wenn die Wirte verpflichtet würden, vegetarische und vegane Schmankerl günstiger anzubieten als Fleisch, flankiert von einer freiwilligen Tierschutzabgabe.

Das "Traditionsargument" sei "anachronistisch", schließlich sei die Wiesn ja auch kein Pferderennen mehr

Auf lange Sicht sollten ausschließlich Erzeugnisse regionaler Biobauern auf den Tisch kommen. Damit das Publikum auf den Geschmack kommt, müssten die Wirte freilich mehr bieten, als fleischlose "Scheinangebote" wie Pommes oder Salat. Unter Berufung auf Messungen der Technischen Universität München weist der BA zudem auf ein weniger offensichtliches Problem hin: Gas-Grills und Herde emittieren sehr viel klimaschädliches Methan. Beim ohnehin fälligen Umstieg auf elektrisch betriebene Küchen solle die Stadt die Wirte unterstützen.

Dass sie mit ihrem Vorschlagspaket ein ziemlich großes Fass aufmachen, ist den Lokalpolitikern natürlich klar. Gegen den Antrag stimmte dennoch nur Rudolf Cermak (CSU), der sich als "Traditionalist" bezeichnete und "nach zwei Jahren Entzug endlich wieder ohne schlechtes Gewissen" auf die Wiesn wolle. Antragsteller Arne Brach (Grüne) äußerte volles Verständnis, findet das Traditionsargument aber "anachronistisch" - schließlich sei das Oktoberfest ja auch kein Pferderennen mehr, sondern ein Mega-Event mit sechs Millionen Besuchern pro Jahr.

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