München Neue Anklage gegen Ex-Rektor der Münchner Musikhochschule

Der frühere Rektor der Münchner Musikhochschule (rechts) Mitte März im Berufungsprozess, hinter ihm seine Anwälte.

(Foto: dpa)
  • Gegen den ehemaligen Rektor der Münchner Musikhochschule gibt es eine neue Anklage: Zwei Frauen werfen Siegfried Mauser vor, sie vergewaltigt oder sexuell genötigt zu haben.
  • Derzeit läuft bereits eine Berufungsverhandlung gegen den 62-Jährigen wegen sexueller Nötigung in zwei Fällen.
  • Sein Anwalt sagt, die neuen Vorwürfe stammten von "Trittbrettfahrerinnen".
Von Susi Wimmer

Noch während am Landgericht München die Berufungsverhandlung gegen den ehemaligen Rektor der Musikhochschule, Siegfried Mauser, wegen sexueller Nötigung in zwei Fällen läuft, ist eine neue Anklage gegen ihn erhoben worden. Deren Eingang bestätigte das Oberlandesgericht München (OLG) der Süddeutschen Zeitung. Bei den beiden neuen Fällen gehe es "um Tatvorwürfe der Vergewaltigung und der sexuellen Nötigung", erläuterte OLG-Pressesprecherin Andrea Titz.

Damit sind es mittlerweile drei Frauen, die angeben, von dem Pianisten und Musikwissenschaftler sexuell belästigt worden zu sein. Eine weitere gibt an, von ihm vergewaltigt worden zu sein. Mausers Anwalt, Alexander Betz, sagt, die zwei neuen Vorwürfe stammten von "Trittbrettfahrerinnen", die sich nach dem ersten Prozess und dem "Medienhype" gemeldet hätten "und jetzt schmutzige Wäsche waschen".

Siegfried Mauser, ein gebürtiger Straubinger, war 2002 als Professor für Musikwissenschaft an die Hochschule für Musik und Theater in München berufen worden. Ein Jahr später wurde er zum Rektor ernannt und leitete die Musikhochschule bis zum Jahr 2014. Anschließend wechselte er ans Mozarteum in Salzburg, wo nach seiner erstinstanzlichen Verurteilung im vergangenen Sommer das Arbeitsverhältnis einvernehmlich aufgelöst wurde. Ob Siegfried Mauser heute noch der Musikhochschule in München angehört, ist nicht zu klären. "Aus Gründen des personalen Datenschutzes" dürfe man "zu statusrechtlichen Fragen, Prof. Dr. Mauser betreffend, leider keine Auskunft erteilen", erklärt Maren Rose, Pressesprecherin der Musikhochschule.

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Im Mai vergangenen Jahres war der heute 62-Jährige wegen sexueller Nötigung in einem Fall zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden, sowie zur Zahlung einer Geldstrafe von 25 000 Euro. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Mauser im Jahr 2009 eine Hochschulprofessorin in seinem früheren Büro am Gasteig gegen ihren Willen geküsst und sie genötigt hatte, ihm an die Hose zu fassen. Gleichzeitig angeklagt war damals ein zweiter Fall, bei dem er eine Gitarristin während einer Konzertprobe geküsst und begrapscht haben soll. Von diesem Vorwurf wurde Mauser freigesprochen, weil laut Gericht die Frau nichts gegen den Übergriff unternommen hatte.

Staatsanwalt Markus Michl, der eine dreieinhalbjährige Haftstrafe für Mauser gefordert hatte, legte Berufung gegen das Urteil ein. Ebenso die damaligen Verteidiger Alexander Betz, Stephan Lucas und Alexander Stevens, die einen Freispruch verlangt hatten. Mauser selbst sagte damals, er fühle sich als Opfer falscher Anschuldigungen. Seit Mitte März läuft nun das Berufungsverfahren, ein Urteil ist für den 27. April avisiert.

Nach dem ersten Prozess im Frühjahr 2016, so erzählt es Mausers Anwalt Betz, habe es in einer Klassik-Radiosendung einen Aufruf gegeben, dass sich alle Frauen, die von dem Professor belästigt worden seien, doch melden sollten. Die Resonanz sei enorm gewesen. Zwei Frauen erstatteten letztendlich Anzeige, was nun zu der aktuellen Anklage führte. "Mit den beiden", so sagt Betz, "hatte Siegfried Mauser eine Beziehung gehabt."

Eine der Frauen spricht sogar von Vergewaltigung. Sie soll sich nach Informationen der Süddeutschen Zeitung für eine Assistenzstelle in München beworben haben. Hier soll Mauser in seinem Büro auf der Couch übergriffig geworden sein und sie vergewaltigt haben. Der angebliche Vorfall datiert aus dem Jahr 2004. Des Weiteren meldete sich bei der Polizei eine Studienfreundin Mausers, wie die SZ erfuhr. Sie soll in ihrer polizeilichen Befragung angegeben haben, in Mausers Büro dreimal Opfer seiner Grapschereien geworden zu sein: in den Jahren 2007, 2009 und 2013. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage wegen sexueller Nötigung erhoben.

Mausers Rechtsanwalt Betz sagt, dass sein Mandant auf seinen Rat hin beide Frauen wegen Verleumdung und übler Nachrede angezeigt habe. Man müsse dagegenhalten, damit die Sache endlich ein Ende nehme.

OLG-Pressesprecherin Titz erklärte, die zuständige Kammer werde zunächst den Ausgang des Berufungsverfahrens am Landgericht abwarten, erst dann werde über die Eröffnung des neuen Verfahrens am Landgericht München I entschieden. Sollte das neue Verfahren gegen Mauser eröffnet werden, dann nicht wie das erste am Amtsgericht München, sondern am Landgericht München I. Letzteres ist zuständig für Straftaten, bei denen eine höhere Freiheitsstrafe von vier Jahren oder mehr zu erwarten ist.

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