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Nationaltheater:Liebe, Tod und Hingabe

Nach der coronabedingten Verschiebung vom April kommt nun endlich die Uraufführung von Marina Abramovićs "7 Deaths of Maria Callas" auf die Bühne im Nationaltheater.

Von Rita Argauer

Zweifelsohne gehört Marina Abramović zu den Kunststars, die weit über ihr eigenes Wirkungsfeld hinaus bekannt sind. Und dieser Glanz färbt natürlich auf das Haus ab, wenn diese Frau nun für die Bayerische Staatsoper eine Premiere inszeniert, ja besser erschafft. Durch Corona rücken die "7 Deaths of Maria Callas" nun auch noch an die prominente Stelle im Spielplan als Saisoneröffnung - eigentlich hätte die Premiere im April dieses Jahres stattfinden sollen. Zeitgeist und Hollywood-Glamour (Willem Dafoe wirkt ebenfalls an der Produktion mit) treffen dabei auf den experimentierfreudigen serbischen Komponisten Marko Nikodijević. Der wiederum dürfte einigen Münchnern bekannt sein, komponierte er doch für die Münchner Biennale 2014 ein Werk. Ebenfalls die Biografie eines Musikers war das, so wie jetzt Maria Callas' Leben als Vorlage für die Oper dient, vertonte Nikodijević damals das Leben des franko-kanadischen Komponisten Claude Vivier. Damals beschäftigte sich der Komponist damit, mathematische Strukturen wie Fraktale als Vorlage für Musik zu verwenden.

So zeitgeistig und experimentierfreudig diese Voraussetzungen nun sind, so klassisch wirkt dann doch das Thema dieser Opern-Performance: Liebe, Tod und Hingabe: "Wie so viele der Figuren, die sie auf der Bühne darstellte, starb sie (Callas) aus Liebe. Sie starb an einem gebrochenen Herzen", schreibt Abramović in ihrer Autobiografie. Leben und Kunst werden da verknüpft, sowohl von der Künstlerin, der Autorin und der Protagonistin.

Aber das ganze mit einem höchst morbiden Einschlag. Abramović wählt als dramaturgisches Gerüst sieben Arien der klassischen Opernliteratur, die Callas gesungen hat, Abramović selbst spielt dann die jeweiligen Todesszenen der Opernheldinnen in kurzen Filmen nach. Schließlich wird Abramović dann selbst auf der Bühne stehen und zu einer Neukomposition von Nikodijević das Leben Maria Callas nachperformen. Davor gibt es "Addio del passato" aus "La traviata", "Vissi d'arte" aus "Tosca", "Ave Maria" aus "Otello", "Un bel dì vedremo" aus "Madama Butterfly", "Habanera" aus "Carmen", "Il dolce suono" aus "Lucia di Lammermoor" und "Casta Diva" aus "Norma", Callas' Lebensstück. Sieben verschiedene Sängerinnen (unter anderen Adela Zaharia oder Selene Zanetti) werden die Arie jeweils konzertant vortragen, zuvor erzählen sie die für sie jeweils subjektive Bedeutung der Oper nach. Es spielt das Bayerische Staatsorchester unter der Leitung von Yoel Gamzou. Klassische Themen, klassische menschliche Empfindungen und zeitloses Sentiment sind das - übertragen in einen zeitgenössischen Rahmen.

Willem Dafoe ist in diesem Damen-Zirkel übrigens der Mörder. Denn dass Frauen durch die Hand eines Mannes, indirekt oder direkt, umkommen, ist auch ein so tragischer wie zeitloser Klassiker. Ob in der Oper oder Realität.

7 Deaths of Maria Callas, Uraufführung: Di., 1. Sep., 20 Uhr, Nationaltheater, Max-Joseph-Platz 2, Live-Übertragung auf staatsoper.tv am 5. Sep., 18.30 Uhr

© SZ vom 27.08.2020
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