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München:Musikalisches Jammertal

(Foto: Janine Kuehn)

"Polly's Disaster" im Mathilde Westend

Schwanthalerhöhe - Für die Kunst ist die Melancholie eine Fundgrube. Hier offenbart sich ein Kaleidoskop an Emotionen, das sich in Geschichten, Bildern und in der Musik niederschlägt. Die Berliner Musikerin "Polly's Disaster" hat die Traurigkeit zu ihrer Begleiterin gemacht. In ihren Songs verarbeitet die singende Gitarristin die verschiedenen Facetten eines Gefühls, das sich wiederum aus zahlreichen anderen Gefühlen speist - aus der Liebe und dem Ärger, aus Zweifel und Wahnsinn. Nun ist "Polly's Disaster" im Mathilde Westend, Gollierstraße 81, zu Gast. Gerade erst hat Theresa Hanich, Betreiberin des kleinen Theaters, anlässlich des 100. Jahrestags des Frauenwahlrechts in Deutschland die Produktion "Frauenstimmen" auf die Bühne gebracht - ein gleichermaßen nachdenklicher wie humorvoller Parcours durch mehr oder weniger emanzipatorische Positionen vom 19. Jahrhundert bis heute. Zweifellos sind all die weiblichen Errungenschaften ein Grund zum Feiern. Gleichwohl gibt es im Lebensalltag von Frauen auch heute noch genug unerfüllte Wünsche, die der Realisierung bedürfen, um wirklich von Gleichstellung zu sprechen. Und vielleicht hat die melancholische Grundstimmung von "Polly's Disaster" auch etwas mit dem ewigen Kampf um ein grundlegendes weibliches Menschenrecht zu tun, mit der Erschöpfung, die damit einhergeht, und dem Preis, der für jeden Etappensieg zu zahlen ist. Zu erleben ist das am Donnerstag, 22., und Freitag, 23. November, im Mathilde Westend. Dort führt "Polly's Disaster" ihr Publikum von 20 Uhr an feinsinnig und mitreißend zugleich durch ein musikalisches Jammertal. Kartenwünsche sind per E-Mail an mathilde.westend@gmx.de zu richten.

© SZ vom 19.11.2018 / stz
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