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München:Mehr als nur Dekor

Schmuckfoto München Nord oder Ost. Mae West im Nebel fotografiert von der Bülowstraße mit Trambahnoberleitung im Vordergrund.

Umstrittene Großskulptur: Das Projekt "Mae West" der Künstlerin Rita McBride am Effnerplatz.

(Foto: Florian Peljak)

Wie Bau- und Kulturreferat 2017 über jeweils 900 000 Euro für die künstlerische Gestaltung des Stadtraums verfügen

Von Stefan Mühleisen

Die künstlerische Gestaltung des Stadtraums hat eine lange Tradition: Über Jahrhunderte ließen Monarchen Straßen, Plätze, Gebäude von Künstlern - meist zu ihrem Ruhme - gestalten. Seit der Weimarer Republik hat sich das Konzept "Kunst am Bau" immer weiter entwickelt: Nicht nur als Dekor, sondern als Identifikationsmerkmal für die Stadtgesellschaft. Hinzu kam der Ansatz "Kunst im öffentlichen Raum" als eine Form des gesellschaftlichen Dialogs. Der Deutsche Städtetag rät hierzu in einer Handreichung: Die Kommune brauche dazu unbedingt ein Konzept, ein Budget sowie professionelle Entscheidungsgremien. München braucht diese Tipps schon lange nicht mehr; der Stadtrat hat schon vor 15 Jahren ein bis heute republikweit angesehenes Konzept aufgesetzt.

Damals, 2002, wurde das "Zwei-Säulen-Modell" beschlossen: Grundlage sind die Gesamtkosten aller kommunalen Bauprojekte. Von dieser Summe werden 1,5 Prozent als Finanzierungstopf abgezweigt. Dieser wird wiederum zweigeteilt: Jeweils 0,75 Prozent verantworten Bau- und Kulturreferat. Dieser Kunst-Etat schwankt, je nach Höhe der städtischen Bauinvestitionen. Für 2017 haben die Referate jeweils gut 900 000 Euro zur Verfügung.

Dabei hat die Verwaltung keineswegs die Alleinverfügungsgewalt über das Budget. Das Kulturreferat darf Projekte bis 15 000 Euro in Eigenregie vergeben; kosten sie mehr, muss sich der Programmbeirat damit beschäftigen; er ist besetzt mit Fachleuten aus Museen und Universitäten sowie Stadträten. Projekte ab 50 000 Euro sind dem Stadtrat vorzulegen. Für Kunst-am-Bau-Projekte gibt es ein eigenes Gremium, die "Kommission für Kunst am Bau und im öffentlichen Raum". Das Programm trägt inzwischen den Namen "Quivid", ein Kunstbegriff aus den lateinischen Worten "qui", (wer) und dem Verb "videre" für "sehen".

Inhaltlich hat sich folgende Programm-aufteilung etabliert: Das Kulturreferat setzt temporäre Projekte und Aktionen um, das Baureferat realisiert bleibende Kunstwerke als "Kunst am Bau". Im Bereich der dauerhaften Sujets zählt sicher die 50 Meter hohe Skulptur "Mae West" von Rita McBride am Effnerplatz zu den eindrucksvollsten - und kontroversesten - Beispielen. Das Gros des jährlichen Budgets wird laut Quivid-Mitarbeiter Heinz Grünberger für Fassadengestaltungen oder Objekte an U-Bahnhöfen, Schulen, Kitas und städtischen Wohnanlagen ausgegeben. Heuer stehen zehn Projekte, die meisten an Schulen, auf der Agenda.

Von den temporären Aktionen hat die "Kapelle der öffentlichen Meinung" von Fabian Vogl (2011) in der Fußgängerzone oder die "Ballenernte" von Michael Beutler (2014) bleibenden Eindruck hinterlassen. Das Kulturreferat plant für das laufende Jahr 2017 zwei große Kunstaktionen, die jeweils mit 150 000 Euro zu Buche schlagen: Der Amerikaner Charles Simonds wird an fünf Orten Installationen unter dem Titel "Dwellings" präsentieren, die Münchner Künstlerin Susi Gelb ihre Reihe "No such things grow here" durchziehen. Vornehmlich im Münchner Osten soll überdies die Reihe "München rechts der Isar" stattfinden. Parallel laufen die Vorbereitungen für ein von Joanna Warsza kuratiertes Großprojekt im Jahr 2018, bei dem 15 internationale Künstler aus den Bereichen darstellende Kunst, Film, Musik, Theater und Architektur mit lokalen Akteuren Projekte realisieren.

© SZ vom 16.01.2017

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