München:Mann vergisst 16 000 Euro teure Bratsche in der S-Bahn

Im dem Bratschenkasten des international bekannten Musikers befand sich auch ein französischer Bogen aus dem Jahr 1860.

Von Susi Wimmer

Das Instrument war dem international bekannten Musiker Hariolf Schlichtig auf den Leib geschneidert worden: eine Bratsche, vom Wolfratshauser Geigenbaumeister Wolfgang Scharff ganz nach den Wünschen des Münchner Hochschulprofessors angefertigt.

16 000 Euro ist das Instrument laut Polizei wert, und noch immer ist es spurlos verschwunden. Seit der 65 Jahre alte Professor die Bratsche am Montag, 1. Februar, in der S-Bahn am Hauptbahnhof vergessen hatte, ist sie nicht wieder aufgetaucht. Die Polizei hofft jetzt auf Zeugen - und auf die Auswertung der recht umfangreichen Videoaufzeichnungen aus dem fraglichen S-Bahnzug.

"So etwas kann nicht ersetzt werden"

Salzburg, Wien, Köln, Bremen, Baden-Baden und Luxemburg: Hariolf Schlichtig hatte an jenem Montag eine lange Tournee mit dem berühmten Pianisten Sir Andreas Schiff hinter sich, als er am Münchner Flughafen landete. Gegen 11.30 Uhr stieg er dort in die S 1 in Richtung Innenstadt. Schlichtig wollte am Hauptbahnhof aussteigen, dort seinen Koffer deponieren und gleich weiter zu seiner Klasse in der Musikhochschule.

Die S-Bahn sollte eigentlich am Starnberger Flügelbahnhof enden, erzählt er, sei zu seiner Überraschung dann aber doch in den Tunnel eingefahren. "Ich war kurzzeitig irritiert, stieg mit meinem Koffer aus, und ein paar Sekunden später fiel mir auf, dass ich den Bratschenkasten vergessen hatte." In dem Koffer befanden sich neben der Bratsche noch drei französische Bögen im Wert von gut 80 000 Euro, darunter einer aus dem Jahr 1860. "So etwas kann nicht ersetzt werden", sagt der Musiker.

Natürlich alarmierte er sofort die Polizei und die S-Bahn-Aufsicht. Aber der Zugführer, der am Ostbahnhof durch alle Waggons ging, konnte den grau-grünen, rechteckigen Bratschenkasten nicht mehr finden. Zwischen Haupt- und Ostbahnhof muss ihn jemand genommen haben. Die Bratsche zu verkaufen, dürfte aber schwierig sein: Laut Schlichtig sind alle Geigenbauer in Deutschland schon über den Verlust des Instruments informiert.

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