Finanzen:"München ist ein super Standort": Die Stadt lockt Investmentbanker

Finanzen: Das Logo der US-Bank Goldman Sachs prangt natürlich im Handelsraum der New Yorker Börse - und bald auch an der Münchner Maximilianstraße.

Das Logo der US-Bank Goldman Sachs prangt natürlich im Handelsraum der New Yorker Börse - und bald auch an der Münchner Maximilianstraße.

(Foto: Justin Lane/dpa)

Die Großen der Branche waren in Deutschland bislang vor allem in Frankfurt zu finden. Doch nun eröffnen Goldman Sachs und Morgan Stanley Büros an der Isar - aus zwei Gründen.

Von Alexander Hübner und Reuters

Zwischen Fitnessstudio und "Cafe Roma" am unteren Ende der schicken Maximilianstraße weist noch nichts auf den neuen Mieter hin. Nur in der Tiefgarage verraten die Plaketten mit den silbernen Buchstaben "GS" schon, wer hier im März einzieht: Goldman Sachs ist die erste der großen Investmentbanken, die eine Präsenz in der Stadt eröffnet. Sie wird aber nicht die einzige bleiben. Morgan Stanley will im Sommer kommen, kleinere Häuser wie Perella Weinberg sind längst da.

Die Dichte an Dax-Konzernen und Tech-Start-ups, große Versicherer und Finanzinvestoren, aber auch die nahen Berge sind Gründe, warum Investmentbanker in Deutschland plötzlich nicht mehr nur rund um den Frankfurter Opernplatz zu finden sind, sondern auch 400 Kilometer weiter südlich. "Wir werden in München mit einem Team von rund 30 Bankern vertreten sein, die zum Teil aus Frankfurt dorthin wechseln, zum Teil aber auch aus London", sagt Wolfgang Fink, der bei Goldman Sachs das Geschäft in Deutschland und Österreich verantwortet, aber auch die kontinentaleuropäische Einheit leitet. "Die Stadt wird immer internationaler."

Tammo Bünnemeyer soll das Münchner Büro für Morgan Stanley aufbauen, er ist auf Technologiefirmen spezialisiert. "Hier sitzen - gemessen am Börsenwert - rund ein Drittel des Dax und mehr als zehn 'Unicorns'", also Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar, erklärt er seinen bevorstehenden Wechsel von Hessen nach Bayern. Hier winkt Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, aber auch mit Börsengängen. Siemens, Allianz und BMW sind Schwergewichte im Dax, EQT und General Atlantic zählen zu den größten Tech-Investoren.

Doch in München haben sich auch aufstrebende deutsche Softwarefirmen und viele Europa-Töchter von US-Internetkonzernen aus der Branche angesiedelt. "Und wir wollen da sein, wo unsere Klienten sind", sagt Fink. Gerade in der Technologie-Branche sind Goldman Sachs und Morgan Stanley neben J. P. Morgan die meistgesuchten Berater.

München profitiert vom Brexit

"Langfristig betrachtet ist diese Regionalisierung auch ein Ergebnis des Brexits, nach dem mehr Geschäft aus regulatorischen Gründen auf den Kontinent gewandert ist", erläutert Fink. "Der europäische Kontinent hat durch den Brexit insgesamt an Bedeutung gewonnen", sagt auch Bünnemeyer. Frankfurt und Paris, aber auch Amsterdam rangelten lange um die Rolle als größter Nutznießer. Dass davon München profitiert, ist bemerkenswert.

Die US-Investment-Boutique Perella Weinberg war ein, wenn nicht der Vorreiter des Trecks nach München. Kurz vor der Corona-Pandemie hatte sie 2020 in Schwabing ihr Büro eröffnet - das einzige in Deutschland. Bis dahin hatten die Banker Europa von London aus bearbeitet, dann kam Paris hinzu. "In London und Paris gibt es eine hohe Konzentration von Unternehmen und Entscheidungsträgern - in Deutschland ist das stärker verteilt, hier ist man ständig unterwegs", sagt Dietrich Becker, Europa-Chef und Partner von Perella. "Deshalb haben wir uns gefragt: An welchem Standort ist die höchste Konzentration von Kunden?"

Die Antwort sei eindeutig gewesen: München. "Hier arbeiten - und wohnen - viele Entscheidungsträger. Und es ist eine Stadt, in der man gut leben kann", sagt Becker. "München ist ein super Standort." Auch die US-Investmentbanking-Boutique PJT Partners, die unter anderem die Software AG beim Verkauf an einen Finanzinvestor beraten hat, will Insidern zufolge bald nach München kommen.

Dass München Frankfurt bald als deutsche Bankenhauptstadt ablöst, ist aber nicht zu erwarten. Morgan Stanley beschäftigt am Main rund 600 Banker, in München dürfte es anfangs eine kleinere zweistellige Zahl sein. Bei Goldman Sachs ist das Größenverhältnis ähnlich. Und der Freizeitwert der Stadt mit den Bergen und Seen spielt eher für gesetztere Banker eine Rolle. "Aus dem europäischen Ausland betrachtet, ist München sicher attraktiv", sagt Fink. "Aber wenn man seine Karriere im Banking beginnt, fühlen sich viele Kolleginnen und Kollegen in Frankfurt schnell zu Hause."

Zur SZ-Startseite

SZ PlusReservierungen in der Gastronomie
:Der ungemütliche Zwei-Stunden-Slot

Freundlich begrüßt, hurtig hinausbefördert: Viele Wirte räumen ihren Gästen nur noch zwei Stunden ein, bevor sie für die nächsten Platz machen müssen. Da bleibt eigentlich nur eine Strategie.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: