Internationalen Stummfilmtage:Mann aus Lehm, frisch restauriert und Open Air

Golem

"Der Golem, wie er in die Welt kam" (1920) ist ein Klassiker des Stummfilms. Zur Aktualität des Mythos gibt es ein Gespräch mit Alexander Kluge.

(Foto: Filmmuseum München)

Zum ersten Mal finden die Internationalen Stummfilmtage unter freiem Himmel statt. Ein Highlight: Im Innenhof des Münchner Stadtmuseums kommt "Der Golem" zur Wiederaufführung.

Von Josef Grübl

Wer nach vorne schaut, sollte auch immer einen Blick zurückwerfen: Denn so richtig neu sind nur die allerwenigsten Dinge, fast alles war schon einmal da, in der Musik, der Kunst, im Kino - nur ein bisschen anders eben. Wenn etwa die schlauen Menschen aus dem Silicon Valley etwas über Künstliche Intelligenzen herausfinden, berufen auch sie sich auf Erkenntnisse von gestern.

Einer der ersten Filme zu diesem Thema hatte vor 100 Jahren in Berlin Premiere: Der Golem, wie er in die Welt kam ist ein expressionistischer Klassiker des deutschen Stummfilms, es geht um einen künstlichen Menschen aus Lehm, der laut einer alten jüdischen Legende Unheil abwenden soll. Das macht er dann auch, er soll die Prager Juden vor der Vertreibung durch die Christen schützen. Gespielt wurde dieser Homunkulus vom Regisseur selbst, Paul Wegener erweckte ihn unter einer zentimeterdicken Schicht von Theaterkleister im Gesicht zum Leben. Der Film war ein weltweiter Erfolg, das Filmmuseum hat ihn aufwendig restauriert. So wurde unter anderem die seit 90 Jahren verschollene Originalmusik von Hans Landsberger rekonstruiert. Am Mittwoch, 4. August, wird sie im Innenhof des Stadtmuseums mit Live-Musikbegleitung aufgeführt.

Die Veranstaltung ist Auftakt der Internationalen Stummfilmtage des Filmmuseums. Diese finden dieses Jahr etwas früher als üblich und erstmalig als Open-Air-Veranstaltung statt, drei Wochen lang werden Stummfilme aus aller Welt gezeigt, zu jeder Aufführung gibt es Live-Musik. So darf sich das Publikum unter anderem auf einen frühen Spielfilm über eine bayerische Legende freuen: Ludwig der Zweite entstand 1929 in Bayern und Babelsberg, der spätere Hollywood-Erfolgsregisseur Wilhelm Dieterle führte nicht nur Regie, sondern spielte zudem die Titelrolle (5. August).

Auch Komödien werden gezeigt, so etwa von Alice Guy, der weltweit ersten Filmregisseurin (6. August) oder mit dem Komiker-Duo Stan Laurel und Oliver Hardy (12. August). Nach Japan geht es in Yasujiro Ozus 1932 entstandenen Film Ich wurde geboren, aber ... (15. August), zum Taj Mahal reiste der Münchner Regisseur Franz Osten: Das Grabmal einer großen Liebe wurde im Jahr 1926 mit riesigem Aufwand an Originalschauplätzen in Indien gedreht (20. August). Einen Münchner Aufklärungsfilm gibt es dagegen am Dienstag, 10. August, zu sehen: Toni Attenberger warnte in Gefahren der Großstadt-Straße (1924) vor Dieben und Betrügern, gleichzeitig lehrte er das Publikum, wie es sich im Straßenverkehr zu verhalten habe.

Aber noch einmal zurück zu den Künstlichen Intelligenzen: Am Sonntag, 8. August, spricht Alexander Kluge um 16 Uhr im Kinosaal des Filmmuseums über die Aktualität des Golem-Mythos und inwieweit dessen Idee der Erschaffung künstlicher Menschen in unsere Gegenwart reicht.

Internationale Stummfilmtage, Mittwoch, 4. bis Sonntag, 22. August, Innenhof des Stadtmuseums München, täglich außer Montag, 21 Uhr, Sankt-Jakobs-Platz 1, Tickets Abendkasse, Infos: https://www.muenchner-stadtmuseum.de/film

© SZ vom 28.07.2021/vewo
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