München Höchste Zeit

Bund Naturschutz und die Bezirksausschüsse wollen Stadtbäume und Grünflächen retten. Gefordert wird ein Masterplan

Von Hubert Grundner

Die Bilanz klingt bedrohlich: Vergleicht man die Zahlen der gefällten und der nachgepflanzten Bäume, steht Jahr für Jahr unterm Strich ein dickes Minus. So seien in München zwischen 2010 und 2015, Fällungen auf öffentlichem wie privatem Grund berücksichtigt, fast 14 000 Bäume verloren gegangen. Darauf hat der Bund Naturschutz (BN) am Dienstag hingewiesen. Dieser Trend soll gestoppt, am besten sogar umgekehrt werden. Zu dem Zweck haben sich der BN und die Bezirksausschüsse zur Stärkung des Baumschutzes verbündet: Allen 25 Stadtbezirksgremien liegt ein überparteilicher Forderungskatalog zur Abstimmung vor, über den danach der Stadtrat entscheiden wird, voraussichtlich noch in diesem Jahr. Dabei geht es um nichts Geringeres als einen Masterplan für Münchens Bäume.

Martin Hänsel, stellvertretender Geschäftsführer der BN-Kreisgruppe, und seine Mitstreiter betonten jetzt, dass eine längst überfällige Entwicklung angestoßen werden soll. Denn die "Entgrünung" der Stadt werde verschärft durch die Folgen des Klimawandels. Dazu zählen der Anstieg der Durchschnittstemperaturen, vermehrte Sterbefälle bei Hitzewellen, Gefährdung des Grundwassers, Veränderungen des Mikroklimas und damit von Flora und Fauna sowie eine erhöhte Luftverschmutzung. Umso wichtiger sei es, Erkenntnisse wie der "Manchester-Studie" zu beherzigen. Sie weist die Bedeutung auch von kleinen Grünflächen und Stadtbäumen nach. Vereinfacht besagt die Studie: Je mehr Grün, desto geringer fällt die künftige Erwärmung aus. Bernhard Dufter (Grüne), zweiter stellvertretender BA-Vorsitzender in Schwabing-Freimann, folgert daraus: "Wir müssen massive Anstrengungen unternehmen. Auch deshalb wollen wir den Stadtrat davon überzeugen, den Baumschutz auf eine neue Ebene zu heben."

In der Praxis heißt das für Rüdiger Schaar (SPD) vom BA Pasing-Obermenzing, "dass das Baurecht nicht so hoch stehen sollte, dass alles plattgemacht werden kann, was grün ist". Auch sollten Ausgleichszahlungen für gefällte Bäume drastisch angehoben werden. Das wohl wichtigste Instrument beim Kampf um mehr Grün ist ein Baumkataster. Darauf wies Angela Burkhardt-Keller, Koordinatorin des Gemeinschaftsprojektes, hin. Die Stadt müsste ein Verzeichnis ihres gesamten Baumbestands entwickeln und bestehende Baumkataster anderer Institutionen darin integrieren.