München Großer Auftritt

"Kunst in Sendling" bietet an diesem Wochenende die Gelegenheit, außer einem vielfältigen Programm auch ansonsten verschlossene Räume zu entdecken

Von Birgit Lotze

Wenn die Sendlinger Künstler ankündigen, wieder einmal ihre Ateliers zu öffnen, steckt mehr dahinter. Denn damit einhergeht eine große Gemeinschaftsausstellung, dazu kommen viele Einzelpräsentationen, Filme, Performances, auch musikalische Auftritte. Während der drei Tage "Kunst in Sendling" von Freitag, 29. September, bis Sonntag, 1. Oktober, werden heuer wieder zwei Stockwerke des Kontorhauses 2 auf dem Großmarktgelände zur "Sendlinger Kunsthalle 3" ausgebaut. Rund 90 Künstler haben angekündigt, sich zu beteiligen. Etwa 25 von ihnen werden im Kontorhaus 2 ausstellen.

Im Künstlerraum von Fred Krueger gab es bereits bei "Kunst in Sendling" viele Anregungen.

(Foto: Stephan Rumpf)

Es ist auch ein großes Rahmenprogramm geplant: Das Marionettentheater "Stageworks Puppets" will am Freitag um 20 Uhr an der Fuggerstraße 4 auftreten, schon um 19.30 Uhr nehmen Gosch Art & Lilly 3,50 kabarettistisch Stellung zur aktuellen Bundestagswahl in der Kulturschmiede an der Daiserstraße 22. Kübler & Kroiss lesen "Gschichtn zum Fürchten" von 19 Uhr an in der Plinganserstraße 15 vor. Zum gleichen Zeitpunkt wird im Kontorhaus (Zugang über die Kochelseestraße) die Gemeinschaftsausstellung der Sendlinger Künstler eröffnet. Dort wird auch, gewissermaßen nebenher, der neue Dokumentarfilm von Reinhold Rühl präsentiert, eine Zeitreise durch den Stadtteil.

Heuer auch wieder vertreten ist die Bildhauerin Elsa Nietmann, die ihr Werk "fishbones" aus einem Apfelbaum gesägt hat.

(Foto: oh)

Die Idee hinter der "Sendlinger Kunsthalle": Man will nicht nur gleichzeitig die Ateliers öffnen, sondern auch gemeinsam leer stehende Gewerbeflächen und Schaufenster mit Kunst bespielen - der ungenutzte Hochbunker an der Thalkirchner Straße, der leer stehende Lebensmittel-Discounter an der Oberländerstraße waren bereits in früheren Jahren zur Sendlinger Kunsthalle geworden. Auch das heuer wieder genutzte denkmalgeschützte Kontorhaus 2 steht teilweise leer. München hat zwar nach Paris und Barcelona den drittgrößten Obst- und Gemüsemarkt in Europa, doch der Zoll, der hier früher, vor EU-Zeiten, die Waren vom Mittelmeer abfertigte, hat sich zurückgezogen. Auch die Bundesbahn, die im Kontorhaus 2 den Güterverkehr logistisch abwickelte, ist seit der Stilllegung von Bahnhof und Gleisen weg. Das Haus, durch das sich eine imposante freischwebende Wendeltreppe vom Keller bis zum obersten Stockwerk zieht, soll bald renoviert und wieder gefüllt werden: In einigen Jahren, wenn der Großmarkt umgebaut wird, beziehen Händler im Kontorhaus 2 ihre Büros, so jedenfalls der Plan. Und die gesamte Großmarkt-Verwaltung kommt dort ebenfalls unter.

Der Kupfertransferdruck auf Keramik ist von Max Gehring (AAA).

(Foto: oh)

Lore Galitz ist am Wochenende dort vertreten, darüber hinaus auch mit einer Installation im Südpark. Die Malerinnen Gabriele Rottler und Edith Steiner haben sich angekündigt, auch die Fotografen Xavier Orignac und Ralf Weiss. Frau Lemke präsentiert im Kontorhaus "leicht-sinnige Illustrationen", der Kunstmaler und Fotograf Stefan Caspari plant dort wieder eine Foto-Performance.

Auch die Atelierbesuche sind lohnenswert. Die Buchdruckerin Annette Vogel öffnet ihre Werkstatt "Vogelpresse" an der Schöttlstraße 3 für eine Sonderausstellung, die Medienkünstlerin Mone Kante präsentiert Überraschendes an der Daiserstraße 44 c. Unter der Adresse findet man auch Werke des Fotografen Karl Kempf. Das Bildende-Kunst-Team Alemannic Appalachian Alliance (AAA) stellt an der Oberländerstraße 16 und im Keller der Daiserstraße 9 aus. In der Kulturschmiede, Daiserstraße 22, bekommt man Einblick in einen Fotoworkshop mit Werner Resch. Die Werke der Bildhauerinnen Elsa Nietmann, Nadine Elda Rosani und Sanni Früchtl sind im Hinterhof der Senserstraße 5 zu sehen.

Auch das Dante-Gymnasium ist vertreten. In einem P-Seminar widmet man sich dem Thema "Mode und Müll": Mit dem Hintergedanken "Aus Alt mach Neu" entstanden Kleidungsstücke, Accessoires und Alltagsgegenstände aus Materialien, die sonst in der Mülltonne gelandet wären. Die Ausstellung findet man im Atelier von Marion Kropp im Hinterhof des Hauses Kidlerstraße 16. Am Samstag führen die Schülerinnen ihre Kreationen auf der Treppe im Kontorhaus vor. Um die Vielfalt der Sendlinger Kunstszene kennenzulernen, werden Führungen angeboten: Gertrud Fassnacht und die Kunstsouffleuse Catrin Morschek geben am Samstag und Sonntag gegen eine Gebühr von zehn Euro spannende Einblicke in Kunsträume und Werke.

"Kunst in Sendling" mit Gemeinschaftsausstellung im Kontorhaus 2 von 29. September bis 1. Oktober, Freitag von 18 bis 22 Uhr, Samstag, 14 bis 22 Uhr, Sonntag, 14 bis 19 Uhr. Das Programm findet man unter www.kunst-in-sendling.com.