bedeckt München 15°
vgwortpixel

Verdi:Gewerkschaft fordert "München-Zulage für alle"

Warnstreiks im öffentlichen Dienst in Bayern

Heinrich Birner erwartet einen "heißen Herbst".

(Foto: Lino Mirgeler/dpa)
  • Verdi will für die unteren und mittleren Gehaltsgruppen eine Zulage in Höhe von 270 Euro, für die oberen Gruppen 135 Euro erreichen.
  • Das will die Gewerkschaft aber nur in Betrieben durchsetzen, in denen sie gut organisiert ist.
  • Mit den Stadtwerken und der München-Klinik befürchtet der Geschäftsführer Heinrich Birner eine "schwierige Auseinandersetzung".

Nicht nur städtische Tarifbeschäftigte sollen, wie vom Stadtrat beschlossen, die verdoppelte München-Zulage erhalten: Die Gewerkschaft Verdi fordert jetzt die "München-Zulage für alle". Ziel sei, die 270 Euro Zulage pro Monat für untere und mittlere Gehaltsgruppen sowie die zusätzlich beschlossenen 135 Euro für die oberen Gruppen "in allen Betrieben durchzusetzen, in denen wir gewerkschaftlich gut organisiert sind", erklärte Verdi-Geschäftsführer Heinrich Birner, der sich auf einen "heißen Herbst" einstellt.

Vor allem bei den Stadtwerken München (SWM) und ihrer Tochter Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), aber auch bei der München-Klinik befürchtet Birner eine "schwierige Auseinandersetzung". Auf die Stadtwerke kämen grob geschätzt 20 Millionen Euro Mehrkosten pro Jahr zu, auf die städtischen Kliniken 16 Millionen Euro.

Doch zunächst richten sich alle Blicke auf die Tarifverhandlungen mit der Stadt zur Umsetzung des Stadtratsbeschlusses in eine tarifvertragliche Regelung. Die Gespräche sollen am 16. September beginnen. "Wir wollen in drei Runden zu einem Ergebnis kommen", erklärte Birner.

Allerdings hat Verdi noch einige zusätzliche Forderungen, die über den Stadtratsbeschluss hinausgehen, der den städtischen Beschäftigten zusammen mit dem Job-Ticket jährlich rund 50 Millionen Euro mehr Einkommen bringen soll. So sollten Auszubildende und Studierende statt 140 Euro, wie vom Stadtrat vorgesehen, nun 200 Euro bekommen. Für Verdi-Mitglieder soll es einen Extra-Bonus geben in Höhe von 44 Euro monatlich. Die München-Zulage soll auch bei der Berechnung der Jahressonderzahlung Eingang finden. Außerdem müssten die Beschäftigten der Stadtentwässerung, die bislang die Zulage nicht bekämen, berücksichtigt werden. Schließlich sollte künftig einmal jährlich über eine Anpassung der Zulage an die steigenden Lebenshaltungskosten und Mieten verhandelt werden.

"Gleiches Recht für alle bei der Stadt und den städtischen Gesellschaften Beschäftigte", forderte Kai Jäger, 34, der als Kontrollschaffner bei der MVG arbeitet. Er verdiene durchschnittlich rund 1800 Euro netto. Die 1020 Euro Warmmiete für eine 69-Quadratmeter-Wohnung teile er sich mit seiner Partnerin. Auf das gleiche Gehalt kommt die Justizangestellte Sonja Savic, 26, die 940 Euro Miete für 62 Quadratmeter bezahlt. Sie hat deshalb noch einen Nebenjob, arbeitet samstags als Visagistin. Birner betonte, dass die alte Forderung "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" angesichts der unterschiedlichen Lebensverhältnisse zu kurz greife. Regionale Lohnaufschläge seien zum Ausgleich "zwingend erforderlich".

Birner will deshalb auch bei der Arbeiterwohlfahrt erreichen, dass die bestehende München-Zulage erhöht wird. Die Verhandlungen, die am 19. September beginnen, dürften sich schwierig gestalten. Im Bereich der Kinderbetreuung würden die Mehrkosten zwar von der Stadt refinanziert, für die Altenpflege aber sind andere Kostenträger zuständig. Expertenschätzungen zufolge könnte sich durch die Aufschläge ein Pflegeplatz um 200 bis 300 Euro monatlich verteuern. Beim städtischen Heimträger Münchenstift dagegen will Verdi derzeit nicht aktiv werden, "wenn es bei dem jetzigen gewerkschaftlichen Organisationsgrad von fünf Prozent der Beschäftigten bleibt". Der Freistaat wiederum sträube sich dagegen, Verhandlungen aufzunehmen.

Die Stadtwerke verwiesen darauf, dass sie ihre Mitarbeiter am Unternehmenserfolg beteiligen. "Welche Auswirkungen hier eine München-Zulage in welcher Form haben könnte, ist Teil einer Abstimmung, die derzeit bei der Stadt stattfindet." Auch die München-Klinik prüft, so eine Sprecherin, ob und in welchem Umfang eine Einkommensverbesserung geschaffen werden kann. Die Zusatzausgaben in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrags jährlich könne die Klinik nicht allein aufbringen.

© SZ vom 07.09.2019/baso
Zur SZ-Startseite