Stadtplanung:"Wir befürchten, überrannt zu werden"

Die Pläne zur Erweiterung der Siedlung Ludwigsfeld um bis zu 2000 zusätzliche Wohnungen stoßen bei einer Infoveranstaltung auf massive Kritik von Anwohnern.

Von Jerzy Sobotta

Pläne für eine massive Erweiterung der Siedlung Ludwigsfeld am nördlichen Stadtrand um bis zu 2000 zusätzliche Wohnungen stoßen auf deutliche Kritik der Anwohner. Das wurde bei einer Diskussionsveranstaltung am Mittwochabend deutlich, bei der Stadt und Investoren rund 80 Besucherinnen und Besuchern ihre Voruntersuchungen im Bürgerhaus der Nachbargemeinde Karlsfeld präsentierten. Trotz hoher Corona-Zahlen fand die Veranstaltung in Präsenz statt, wie es sich Ludwigsfelder und Lokalpolitiker im Vorfeld gewünscht hatten. Eine Geste, die Bürgernähe symbolisieren soll.

In der Tat wurde die Bevölkerung vor rund zwei Jahren intensiv in die ersten Überlegungen für eine Siedlungsvergrößerung mit einbezogen. Doch nun beginnt die Stimmung zu kippen. "Wir befürchten, überrannt zu werden", sagte eine Anwohnerin mit Blick auf die geplanten 2000 neuen Wohnungen. Eine Zahl, die alle Ängste der ansässigen Bürgervereine übertroffen hat. Man werde den besonders starken Zusammenhalt in Ludwigsfeld verlieren, sagte sie. Rund 70 Prozent der Bewohner würden dann neu in der Siedlung sein, schätzt die örtliche Interessengemeinschaft "Iglu". Für sie stellt bereits die Hälfte der Wohnungen eine Schmerzgrenze dar.

Doch Investoren und Stadtentwickler wollen eine dichte Bebauung. Und die dürfte mit weniger als fünf Stockwerken und zusätzlichen Hochpunkten nicht zu haben sein, gab eine Stadtplanerin zu. Trotz aller Gesprächsbereitschaft scheint eines gesetzt zu sein: die Anzahl der Wohnungen. Nur so kämen genügend Menschen in die Siedlung, damit sich die desolate Infrastruktur verbessert, sagen die Planer: Ein Supermarkt, gleich zwei Nachbarschaftstreffs und eine Grundschule mit bis zu fünf Zügen sind angekündigt. Und für eine bessere Verkehrsanbindung wird eine Trambahn in Aussicht gestellt. Außerdem soll es schon bald konkrete Entlastung beim Verkehr geben: Im kommenden Jahr beginnt der Neubau der Karlsfelder Straße, für die sich Anwohner schon seit Jahrzehnten einsetzten. Fertigstellung ist für 2024 anvisiert. Auch ein Fuß- und Radweg westlich des Schwabenbächls nach Karlsfeld werde bereits auf technische Umsetzung geprüft und bald realisiert.

Trotz aller Versprechungen, der Tenor der Wortbeiträge blieb aufgebracht: Die Siedlungspläne seien einfach zu groß. "Ludwigsfeld muss lebenswert bleiben", rief eine Vertreterin von Iglu ins Mikrofon. Sie appellierte an die vier anwesenden Stadträte, "diesem gigantischen Ausmaß nicht zuzustimmen". Der Beschluss über Art und Größe der Bebauung wird im kommenden Jahr im Stadtrat gefällt.

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