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Polizei:E-Roller sind für Betrunkene das Transportmittel der Wahl

Polizei kontrolliert E-Scooter-Fahrer

Notwendige Kontrollen: Immer wieder stoppt die Polizei betrunkene E-Roller-Fahrer.

(Foto: dpa)
  • Seitdem Mitte Juni E-Roller auf deutschen Straßen fahren dürfen, haben Münchens Polizeibeamte mehr als 700 Trunkenheitsfahrten festgestellt.
  • Bei den 20 km/h schnellen Gefährten handelt es sich im rechtlichen Sinne um Kraftfahrzeuge.
  • Mit Sorgen blicken Ordnungshüter dem Oktoberfest entgegen. Auf der Theresienwiese dürfen keine E-Roller fahren.

Gerade erst seit zwei Monaten sind die Elektroroller auf Münchens Straßen unterwegs. In dieser kurzen Zeit haben sie sich offenbar für Betrunkene zum Transportmittel der Wahl entwickelt - und die Polizei kommt kaum noch nach, sie alle einzufangen. Oft kommt sie auch zu spät.

So wie bei jenem 27-jährigen Immobilienkaufmann, der in der Nacht auf Donnerstag um 5.20 Uhr über den Gehweg am Odeonsplatz rollerte. Als er an einer Fußgängerfurt die Brienner Straße überqueren wollte, stürzte er. Den Streifenbeamten, die den Sturz beobachtet hatten, fiel schnell auf, dass der Mann stark nach Alkohol roch. Ein Test ergab 2,4 Promille.

Einen Tag später wiederholte sich die Szene in der Westenriederstraße: Ein 31-Jähriger aus Frankfurt verlor gegen 3.45 Uhr in der Früh die Kontrolle über den Elektroroller und landete auf dem Gesicht. Ein Rettungswagen musste ihn in die Klinik bringen. Ein Alkoholtest ergab 1,8 Promille im Blut.

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In beiden Fällen erstattete die Polizei Anzeige wegen Trunkenheit im Straßenverkehr. Die Rollerfahrer müssen damit rechnen, dass sie ihren Führerschein für einige Monate los sind. Dass sie damit nicht allein sind, dürfte die beiden Männer kaum trösten. Seitdem Mitte Juni E-Roller auf deutschen Straßen fahren dürfen, haben die Beamten des Polizeipräsidiums München mehr als 700 Trunkenheitsfahrten mit diesen Gefährten festgestellt. Allein in den vergangenen zwei Wochen waren es etwa 300.

Unter Münchens Polizeibeamten wächst der Unmut darüber, dass die Kollegen zusätzlich zu ihren Aufgaben nun auch noch Scharen betrunkener Rollerfahrer einfangen und die Bürger darüber belehren müssen, das es sich bei den 20 km/h schnellen Gefährten im rechtlichen Sinne um Kraftfahrzeuge handelt. Das bedeutet: Schon wer mit nur 0,3 Promille unterwegs ist, begeht eine Straftat, sofern er nicht mehr fahrtüchtig ist. Ab 0,5 Promille ist der Führerschein für einen Monat weg, dazu gibt es zwei Punkte in Flensburg und 500 Euro Bußgeld.

Mit Sorgen blicken Münchens Ordnungshüter dem Oktoberfest entgegen. Auf der Theresienwiese dürfen dann selbstverständlich auch keine E-Roller fahren. Gäste könnten jedoch auf die Idee kommen, sich das Taxigeld zu sparen. KVR und Polizei überlegen daher, wie die Roller auch aus dem Umfeld der Wiesn ferngehalten werden könnten.

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