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München:Der Bürger als Bauherr

München: Immobilien an der S-Bahn-Station HIRSCHGARTEN

Zubauen, was geht: Am Hirschgarten wurde lange um das rechte Maß zwischen Gebäudehöhen und der Größe der Grünzüge gestritten.

(Foto: Johannes Simon)

Stadtbaurätin Elisabeth Merk wünscht sich eine in Zukunft noch stärkere Beteiligung der Öffentlichkeit

Mitunter sind Geburtstage der geeignete Anlass, sich an Errungenschaften der Vergangenheit und ihre Bedeutung für Gegenwart und Zukunft zu erinnern. Wenn also Klaus-Michael Dengler, einer der beiden Chefs der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag, bei der Podiumsdiskussion "München: gestern, heute, morgen" am Dienstagabend an die 11 000 Wohnungen erinnerte, die Gewofag-Gründer Karl Preis einst innerhalb von drei Jahren hatte hochziehen lassen, können die aktuellen Chefs der 90-jährigen Gewofag und der 100 Jahre alten Schwester-Gesellschaft GWG nur staunen.

Freilich hatte es Karl Preis deutlich leichter als seine Nachfolger in einer dicht zugebauten Stadt. Die Herausforderung, bezahlbaren Wohnraum für immer mehr in die Stadt strömende Menschen bereitzustellen, ist indes die gleiche. Übereinkunft gab es in der Rathausgalerie beim Debattenabend mit Vertretern des Planungsreferats, der beiden städtischen Wohnungsbaugesellschaften, des 50 Jahre alten Diskussionsvereins Münchner Forum und der vor 33 Jahren gegründeten städtischen Grünplanung über die Hauptaufgaben: den Wohnungsbau, die Schaffung beziehungsweise Verbesserung der Infrastruktur und das Erhalten eines lebenswerten Umfelds.

Über den Weg, diese Ziele miteinander zu versöhnen, gibt es Differenzen, wie auch der Abend zeigte. So fürchtet beispielsweise Detlev Sträter, Vertreter des Münchner Forums, dass die Gestaltung der Stadt zunehmend Investoreninteressen untergeordnet wird. "Das geht dann auf Kosten der Allgemeinheit", sagte er mit Bezug auf die aktuelle Entscheidung, die Arkaden der Alten Akademie in der Fußgängerzone in der Kapellenstraße aufzugeben. Für eine Bürgerin droht die Gefahr, künftigen Generationen jede Entwicklungschance zu nehmen, weil man "alles zubaut, was möglich ist".

Stadtbaurätin Elisabeth Merk sieht letzteres 125 Jahre nach Gründung des Stadterweiterungsbüros nicht. "Da werden sich noch manche wundern, was wir nicht zubauen werden", sagte sie. Mitunter sei es gut, wenn Entwicklungen eine Weile dauerten. So lieferten etwa heute einst als große Verkehrsachsen für die autogerechte Stadt gedachte Trassen die Korridore für Grünzonen. Merk wünschte sich allerdings noch mehr Beteiligung an den wesentlichen Diskussionen um die Zukunft der Stadt. Oft säßen die Mitarbeiter der Stadtplanung allein irgendwo in der Peripherie der Stadt.

Dabei gilt München laut Stadtbaurätin im nationalen Vergleich sogar als innovativ. In München scheue man sich nicht, auch juristisch Grenzen zu verschieben. So habe man etwa die sozial gerechte Bodennutzung erfunden - das Prinzip, dass Investoren, die von Planungen profitierten, auch die daraus resultierenden Lasten für die Stadtgesellschaft finanziell mittragen müssten. Architekten müssten allerdings aufhören, Bürgerbeteiligung als Störung des Planungsprozesses zu betrachten. Die Bürger, sagte Elisabeth Merk, seien die Bauherren.