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Gewerbe-Komplex in der Maxvorstadt:Gebäude-Puzzle

München-Bau  „Denisstraße Lichthöfe“

Reminiszenz an die Industrie-Historie des Standorts: Die Bürobauten sollen gemäß Entwurf sägezahnartige Shed-Dächer erhalten. Simulation: Brückner Architekten

Versteckt in einem Innenhof an der Denisstraße soll ein gehobener Gewerbe-Komplex entstehen. Die München-Bau plant vier Häuser mit drei Innenhöfen und 9000 Quadratmetern Nutzfläche

Von Stefan Mühleisen, Maxvorstadt

Das östliche Nachbargelände der Spaten-Brauerei entwickelt sich immer mehr zum exklusiven Gewerbestandort. Nachdem auf dem ehemaligen Mahag-Gelände an der Ecke Karl-/Denisstraße die Bagger angerückt sind, um das vom britischen Stararchitekten David Chipperfield entworfene Bürogebäude "Karl" zu errichten, ist die nächste Premium-Büroimmobilie bereits in Planung: Südlich angrenzend zu "Karl" hat der Bauträger München-Bau das Grundstück Denisstraße 3 a von einem Immobilienfonds gekauft und will dort die "Denisstraße Lichthöfe" realisieren. Das Projekt erweist sich als durchaus ausgefallen: Es entsteht ein abgeschotteter Edel-Gewerbe-Komplex aus mehreren Gebäuden in einem Innenhof. München-Bau-Gründer und Geschäftsführer Friedrich Neumann nennt es ein "relativ eigenwilliges Konzept".

Damit wird ein innerstädtischer Standort, an dem sich lange nichts rührte, zur Premium-Gewerbelage ausgebaut. Das Nachbargrundstück, das einstige Mahag-Stammgelände an der Ecke zur Karlstraße, war über Jahre leer gestanden, bis die Unternehmerfamilie Brecht-Bergen sich entschloss, auf der Industriebrache 30 000 Quadratmeter Nutzfläche im "Karl"-Gebäude zu entwickeln. Als sicher gilt, dass der Tech-Konzern Apple dort als Generalmieter einzieht. Nun macht sich München-Bau daran, ein ebenso erlesenes Objekt auf das südlich angrenzende, 4000 Quadratmeter große Grundstück zu pflanzen.

Dort steht derzeit noch ein U-förmiger, ehemaliger Werkstattkomplex, eingezwängt zwischen der Spaten-Brauerei im Westen, der Deutsche Angestellten-Akademie und der München-Dependance des Unterwäscheunternehmens Triumph International im Süden zur Marsstraße hin. An der Denisstraße wird das Gelände nach Osten vom Sitz des Landgerichts München II verborgen. Ein isolierte Lücke also, in die wie beim Computerspiel Tetris nun vier Baukörper hineingepuzzelt werden sollen. Denn ähnlich wie bei dem Spiele-Klassiker müssen so einige Bauteile aus der Luft in den Hof hineingehievt werden. "Lkw passen zwar durch die Durchfahrt, große Teile müssen aber mit dem Kran über die umliegenden Gebäude gehoben werden", erklärt Geschäftsführer Neumann.

Der Entwurf für das Projekt stammt vom renommierten Münchner Büro Brückner Architekten, die Sieger des Wettbewerbs, bei dem auch die direkten Nachbarn Spaten und "Karl" dem Vernehmen nach ein gewichtiges Wort mitzureden hatten. Demnach sollen in vier Baukörpern mit vier Geschossen rund 9000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen, von denen je zwei parallel zueinander angeordnet sind und drei Innenhöfe bilden. Als krönender Clou sind Shed-Dächer vorgesehen, also verglaste sägezahnartige, hintereinander gereihte Spitzdächer, wie sie für Industriebauten charakteristisch sind - und vor allem dieses Element gibt dem Projekt seinen exklusiven Charakter: Denn diese hoch aufragenden, bis zu zweigeschossigen Dachaufbauten firmieren als "Büro-Penthouses", sollen also eine Art Maisonette-Büro mit riesigen Fensterfronten innerhalb des Bürogebäudes sein. Im Nachbargebäude "Karl" sollen übrigens ebenfalls Sheddach-Elemente verbaut werden, als Reminiszenz an die industrielle Prägung dieses Gebiets.

Und noch eines nimmt sich der Bauherr vom nördlichem Nachbarn zum Vorbild: München-Bau will das Gebäude im Bestand halten und den gesamten Komplex möglichst einem einzigen Mieter überlassen. Geschäftsführer Friedrich Neumann sagt, es gebe bereits "viele Interessenten", auch schon "effektive Angebote". Näheres will er nicht sagen. Seine München-Bau ist seit 30 Jahren als Bauträger und Projektentwickler ein Akteur in der Landeshauptstadt, errichtet zum Beispiel das Eingangstor zum neuen Quartier an der Paul-Gerhardt-Allee in Pasing.

Der Zeitplan für das Gewerbe-Projekt an der Denisstraße sieht so aus: Bis Ende 2020 soll der Bauantrag eingereicht sein, Mitte 2021 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Zwei Jahre später soll das neue versteckte Gewerbe-Ensemble fertig sein.

© SZ vom 09.07.2020

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