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München:Austausch mit Abstand

Noch bis Sonntag feiern 33 Nachbarschaftstreffs aus der ganzen Stadt mit vielen Aktionen den Wert der Begegnung

Corona verändert das Stadtleben. Nachbarn gehen füreinander einkaufen, in vielen Häusern hängen Zettel mit Hilfsangeboten. Überhaupt sieht man zwischen Home-Office und Supermarkt vor allem jene, die in der Nähe wohnen. Begegnungsstätten nehmen in dieser Situation eine zentrale Rolle ein, und so soll die Woche der Münchner Nachbarschaftstreffs trotz aller Widrigkeiten auch dieses Jahr gefeiert werden.

Im Programm, an dem sich bis Sonntag, 31. Mai, 33 Treffs beteiligen, finden sich Aktionen für das nachbarschaftliche Miteinander: Steinpfade legen, Wertegirlanden beschriften, dazu Verteilaktionen, Tauschregale und Spaziergänge. Trotz Corona soll Austausch stattfinden. Doch das ist gar nicht so einfach, was nicht nur an der Pandemie liegt. Denn an den kurzen Öffnungszeiten ändert sich auch zu Beginn der Nachbarschaftswoche nichts. Oft steht man vor verschlossenen Türen, viele Aktionen laufen ohne persönliche Begegnung an. Hinzu kam zum Wochenauftakt launisches Aprilwetter, ohne Rücksicht auf das kalendarische Datum. So fielen ganze Stadtteilspaziergänge aus oder wurden abgebrochen.

Die von der Nähgruppe des Schwabinger Treffs gestalteten Masken werden nach der Ausstellung an der Lilly-Reich-Straße 10 gespendet.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Nur gut, dass für den Rest der Woche Besserung versprochen ist. Büchertausch- und Verschenkkisten stehen bereit, die Wertegirlanden füllen sich mit den Notizen der Anwohner. Während der eine "Klopapier, Nudeln, Mehl" noch vor "Freunde und Nachbarn" erwähnt, schätzen andere Familie, Umwelt und Gesundheit.

Obwohl sie improvisieren mussten, ziehen viele Treffs eine positive Zwischenbilanz. "Es läuft ganz anders als sonst", heißt es aus Ramersdorf. Die Schaufenster seien allerdings bereits "Spaziergangsziel", die Mitmach-Aktionen nachgefragt. Auch in der Blumenau sind die Anwohner "ziemlich engagiert", erste selbst genähte Fahnen hätten ihren Weg zurück in die Einrichtung gefunden.

Im Nachbarschaftstreff Ramersdorf-Süd an der Balanstraße 111 lädt ein Verschenkregal zum Materialaustausch ein.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In der Messestadt Riem gab es Blumen für die Passanten, die sich anfangs nicht trauten, das Präsent auch mitzunehmen. "Man merkt, dass die Menschen sehr unsicher reagieren im Moment", erzählt Claudia Hausjell vom Treff an der Oslostraße. Mit einem großen Hinweisschild musste sie deutlich machen, dass die Blumen ein Geschenk sind - prompt gab es dann doch viele lächelnde Gesichter.

Im Laufe der Woche sind weitere Aktionen geplant, etwa Malwettbewerbe für Kinder und Mitmach-Aktionen: Sport zwischen den Häusern Am Hart, eine Straßenlaterne in Nymphenburg, die zum Maibaum umfunktioniert wird, gemeinsames Singen in Moosach und Steinschlangen im ganzen Stadtgebiet. Der Treff in Ramersdorf veranstaltet ein Online-Konzert, und in Berg am Laim gibt es einen Drive-In-Eisschalter. Informationen finden sich unter www.nachbarschaftstreff-muenchen.de.

Gemeinschaft ohne Gefährdung lautet das Credo. Viele Aktionen sind nur gedanklich verbunden - doch das ist aktuell besser als gar nichts.

© SZ vom 27.05.2020

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