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SZenario:Hummer, Scampi und vegane Alternativen

Ein Bier zum Fisch: Schauspielerin Diana Körner mit den Kinobetreibern Fritz und Evi Preßmar.

(Foto: Stephan Rumpf)

Reserviert auf Lebenszeit: Beim Aschermittwochs-Fischessen im Franziskaner geht es, wie so oft in München, ums Sehen und Gesehenwerden

Clemens Baumgärtner (CSU), städtischer Referent für Arbeit und Wirtschaft, ist am Abend immer noch ein bisschen empört. Hat ihn doch glatt ein Boulevardjournalist gefragt, ob die Wiesn abgesagt werde, wegen des Coronavirus'. Die Wiesn! Abgesagt! Wo käme man denn da hin? So etwas traut man sich noch nicht einmal zu denken, das wäre ja ähnlich, wie wenn das traditionelle Aschermittwochs-Fischessen im Franziskaner nicht stattfinden würde.

Das tut es aber auch in diesem Jahr. Seit 54 Jahren wird hier das Fischessen gefeiert, ja geradezu zelebriert. Es geht, wie so oft in München, ums Sehen und Gesehenwerden, 800 Münchner und drumherum Lebende haben wieder reserviert, im großen Studentensaal, im überdachten Hofgarten und in den Stuben zur Perusastraße hin. Die Wirtsfamilie Reinbold veranstaltet dieses Ereignis und ist vertreten durch Vater Edi Reinbold mit Ehefrau Petra und die beiden Söhne Mathias und Ludwig, die unentwegt zwischen Küche und Festsälen hin- und herwuseln. So wie auch bei der Wirtsfamilie längst die nächste Generation im Einsatz ist, verhält es sich auch bei den Gästen. Die Tischreservierungen werden teilweise sogar auf Lebenszeit vergeben und womöglich auch noch vererbt.

So hat man es also wieder mit dem Medienunternehmer Thomas Haffa nebst Ehefrau Gabi zu tun, mit dem Schlagersängerpaar Marianne und Michael, dem Herrenschneider Max Dietl sowie seiner Frau Inge und deren Tochter Vanessa. Münchens begnadeter Netzwerker Stavros Konstantinidis ist mit Frau Saskia da, der Münchner SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post ("ich komme seit zehn Jahren zum Fischessen") ist solo da. Seine Lebensgefährtin hat sich beim Skifahren ein Bein gebrochen und ist zu Hause geblieben. Im Sommer wird geheiratet, verrät er dann noch: "Am 3. Juli ist es soweit", sagt er, "Oberbürgermeister Dieter Reiter wird uns trauen. Also, als Standesbeamter!" Ganz schön zuversichtlich, oder? Was ist, wenn Reiter nicht wiedergewählt wird? Da stutzt Post einen kurzen Moment: "Richtig, dann hätten wir ein Problem. Da sehen Sie mal, wie optimistisch ich bin!"

Das ist in anderer Hinsicht auch die Söder-Tochter Gloria Sophie. Die 21-Jährige macht gerade ein Praktikum bei einer Unternehmensberatung in München und ist natürlich im Dirndl gekommen - sie übt sich offensichtlich schon mal im gesellschaftlichen Auftreten und für die Wiesn, die ja auf jeden Fall stattfinden wird, wie man jetzt weiß. Petra Reinbold erzählt ihr aus ihrer eigenen Studentenzeit ("wir waren im Franziskaner oft hinten im Studentensaal, da gab es umsonst Brezn und Senf auf den Tischen") und hat auch ansonsten einige gute Überlebenstipps parat.

Währenddessen erläutert Edi Reinbold die Zusammensetzung des Aschermittwochsmenüs. Den halben Hummer vorneweg habe er an Silvester schon im Löwenbräukeller erprobt. "Eine Tonne Hummer sind's gewesen", sagt er, "das sind dann insgesamt 1400 Portionen." Das macht was her und kommt auch im Franziskaner gut an, ebenso wie die hauseigene Bouillabaisse mit Zander und Scampi, bevor dann das pochierte Filet vom Skrei serviert wird. Neue Trends gibt es aber tatsächlich auch bei dieser altehrwürdigen Veranstaltung. "Die Nachfrage nach vegetarischen und veganen Alternativen steigt", sagt Mathias Reinbold.

© SZ vom 28.02.2020
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