Theresiengymnasium Ein Abistreich mit rebellischen Radlern

Ein Obike hängt am Uhrenturm des Theresien-Gynasiums in luftiger Höhe.

(Foto: dpa)

Was den in den Sechzigerjahren populären Radrennfahrer Fausto Coppi mit einem Abistreich dieser Tage verbindet, twittert ein pensionierter Staatsmann mit Täterwissen.

Von Julian Hans

Wahrscheinlich müssen auch die klugen und umfassend gebildeten Schülerinnen und Schüler des Theresiengymnasiums erst einmal googeln, um herauszufinden, wer Fausto Coppi war. Im Lehrplan eines humanistischen Gymnasiums hat vieles Platz, aber die Geschichte des Radsports führt selbst an den angesehensten Tempeln der Bildung ein kümmerliches Schattendasein.

Dem Einsatz von Eberhard Sinner, bayerischer Staatsmann im Ruhestand, ist es zu verdanken, dass der große Fausto Coppi wieder in das Bewusstsein der Münchner Jugend gerückt ist. Einst, zu Zeiten der womöglich rebellischen Jugend Sinners, hatte Coppi dort offenbar einen festen Platz. Als die Feuerwehr Anfang der Woche unter Einsatz einer Hubrettungsbühne zwei Fahrräder vom Uhrenturm des Theresiengymnasiums pflücken musste, die wohl Abi-Strolche dorthin verbracht hatten, twitterte Sinner: "Das gab's schon mal in den Sechzigern auf der Feldherrnhalle. Motto München grüßt Fausto Coppi! Wen wollten die heute vom Giro grüßen?"

Coppi, von seinen Fans "il Campionissimo" (Weltmeister der Weltmeister) genannt, war einer erfolgreichsten Radrennfahrer der Geschichte. Zweimal gewann er die Tour de France, fünfmal den Giro d'Italia. Zu seinem Gedächtnis heißt der härteste Giro-Anstieg heute Cima Coppi.

Wie den Schülern der harte Aufstieg auf den Uhrenturm des Theresiengymnasiums gelungen ist, darüber wird auf Münchner Pausenhöfen derzeit gerätselt. Steiler als das Pordoijoch ist er auf jeden Fall. Wobei der Weg wohl nicht im Sattel zurückgelegt wurde, so viel darf man unterstellen. Vielleicht könnte der unter dem vielsagenden Pseudonym @bavarianrebel twitternde Sinner zur Aufklärung beitragen. Im Falle des Radls auf der Feldherrnhalle verfügt er offenbar über gewisses Täterwissen.

Bleibt noch die Frage, wen die Aktivisten diesmal grüßen wollen? Aus Schulkreisen ist zu hören, Inschriften am Tatort hätten den Genitalbereich des Mannes zum Thema gehabt. Und Testosteron spielt im Radsport ja traditionell eine große Rolle.