Mülllader:Die Bewunderung ist ihnen sicher

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Was soll er auch machen? Nur die vielen Paketdienste, die die Straßen verstopfen, sind lästig, sagt er. "Aber sich ärgern hilft ja nix." Seit die alten Eisentonnen durch Plastikbehälter ersetzt wurden, ist die Arbeit viel leichter, sagen die Mülllader. Aber die Bestellwut der Leute hat gewaltige Ausmaße angenommen, "und die Kartons landen in der Tonne oder darauf oder daneben", sagt Wolf und schüttelt den Kopf. Er wundert sich über manche seiner Mitmenschen, was die alles zum Leben brauchen.

Am nächsten Haus stehen die Tonnen hinter einer Schranke. Der Capo greift mit blinder Sicherheit zum richtigen Schlüssel aus Dutzenden, die im Fahrerhaus hängen, und schließt auf. Das Leeren dauert, währenddessen blickt Maier auf den Rasen hinter der Einfahrt: Ein Hase mümmelt dort in aller Ruhe an einem Grashalm. "Ein Feldhase", betont Maier. Weiter geht es, noch ein paar Wohnblocks, dann kommt das Ortsschild von Unterföhring: Die nächste Tonne gehört nicht mehr der Stadt, sondern dem Landkreis. Maier wendet.

Es geht runter zur Isar, vorbei am Biergarten, dann kommen die Einfamilienhäuser dran, beste Lage. In den Einfahrten stehen Porsche Cayennes und Siebener-BMWs. Einmal, erzählt Maier, stand so eine Limousine mitten in der schmalen Straße. Nichts rührte sich. Da mussten sie die Polizei rufen, denn rückwärts den Berg rauf, das ging nicht, und sie mussten ja ihre Arbeit machen. Die Polizei hat den Fahrer ermittelt, "es war ein Promi, aber den wollten's nicht abschleppen", sagt Maier. Irgendwann sei der Promi dann aufgetaucht, eingestiegen und weggefahren. Wer's war? Betriebsgeheimnis, sagen die Mülllader.

Der Regen schnürlt weiter, die Straße ist leer. Die Schauspielerin Kathrin Ackermann wohnt in der Gegend, "sie ist immer freundlich und hält öfter ein Schwätzchen mit uns", erzählt Wolf. Und auch der Carlo Thränhardt, ehemaliger Leichtathlet und Trainer, wohnt in der Nähe. Man sieht sich gelegentlich, geredet haben sie noch nicht viel, sagt Wolf. Dabei hätten die beiden ein gemeinsames Thema: den Leistungssport. Wolf stammt aus der ehemaligen DDR und war Verteidiger im Team des 1. FC Lok Leipzig. Ein Jahr vor der Wende durfte er mit Frau und Tochter in den Westen und landete bei Verwandten in München.

"Ich fing gleich beim Abfallwirtschaftsamt an, zuerst im Büro, aber das war nichts für mich", erzählt er. Lieber meldete er sich als Mülllader, "das habe ich nie bereut". Und um 15 Uhr ist Schluss, ein Vorteil für den Fußballer. Bis vor zwei Jahren spielte Wolf noch bei der SpVgg Unterhaching. Jetzt hat er aufgehört. Aber wenn er in Rente geht, wird er in Unterhaching den Nachwuchs trainieren. Das ist schon abgemacht.

10.30 Uhr, die erste Tour ist beendet

Zurück geht es auf die Oberföhringer Straße, über die mittlerweile der Berufsverkehr rauscht. Plötzlich kommt auf dem Gehsteig eine Gruppe Grundschüler angestapft, in bunten Regenjacken und Gummistiefeln, mit Eimern und Plastikzangen ausgestattet. "Wir sammeln auch Müll", sagt stolz ein blond gelocktes Mädchen zu Thaleder und zeigt ihm den Inhalt ihres Eimers.

Die Bewunderung kleiner Jungs ist den Männern mit ihren Uniformen und dem großen blinkenden Laster ohnehin sicher. "Wir haben schon viele Kinder aufwachsen sehen", erzählt Wolf. "Der Michael aus Johanneskirchen stand ein paar Jahre lang jedes Mal da, wenn wir zum Sammeln kamen". Er durfte auch mal ein Stück mitfahren. Irgendwann flaute sein Interesse ab. Aber als seine Mutter mal erzählte, dass der Michael jetzt 21 ist und als DJ jobbt, "da haben wir ihn besucht", erzählt Wolf. "Wir kamen in den Club und sagten: Hallo Michael, wir sind deine Müllmänner, weißt du noch? Das war ein sehr lustiger Abend."

10.30 Uhr, die erste Tour ist beendet, Maier setzt seine Kollegen im Betriebshof ab und entlädt den Laster nebenan bei einer Firma, die das Altpapier verwertet. Dann treffen sich die Vier mit ihren Kollegen zur Frühstückspause in der Kantine. Manche verzehren um diese Zeit schon einen Schweinsbraten, sie sind ja schon seit mehreren Stunden auf den Beinen.

Wolf, der einstige Leistungssportler, isst grundsätzlich eine Banane, die ihm seine Frau eingepackt hat - und muss sich dafür Frotzeleien anhören: "Das gehört zu unseren Ritualen", sagt Wolf und grinst. Ebenso wie das Lottospielen. Einmal hatten sie fünf Richtige und 3000 Euro gewonnen. "Das Geld haben unsere Frauen für den Urlaub ausgegeben", erzählen sie.

Seit kurzem gibt es ein paar Frauen unter den gut 1000 Müllladern der Stadt. Heute sitzt keine am Tisch. "Mei, des muss ned schlecht sein", sagt ein Kollege. Ein anderer ist schon mit einer Kollegin gefahren, er findet es richtig gut. "Die hat besser gearbeitet als mancher Mann", sagt er. Die Komfortpartie schweigt. Sie sind ein eingeschworenes Team. Sie brauchen niemanden.

Das Draußensein, die soziale Sicherheit, die Gemeinschaft, das mögen sie an ihrem Job. Musste die Stadt in den Sechzigerjahren noch sogenannte Gastarbeiter anwerben, hat das Abfallwirtschaftsamt heute genug Bewerber. Nur eines finden die Männer nicht gut: Dass München ständig wächst und damit die Zahl der Mülltonnen - aber nicht das Personal. "In Oberföhring kommt bald ein Wohngebiet mit 1700 Einwohnern dazu", sagt Wolf, "das sollen wir dann so nebenher machen?".

Jetzt ist aber Schluss mit Reden. Die Männer wollen am Nachmittag pünktlich fertig sein. "Ich geh schon mal vor", sagt Maier. Noch eine Runde durch den Münchner Osten, dann ist Feierabend.

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