Kommentar:Münchner Grüne wollen nun auch SUV in der Innenstadt verbieten

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Wer außer der FDP mag schon Fahrer von lächerlich riesigen Edel-Geländewagen verteidigen, deren höchste Herausforderung in der Stadt das Überqueren von Trambahnschienen ist?

(Foto: picture alliance / dpa)

Sie glauben offenbar, dass ein Diesel-Fahrverbot alleine sich einsam fühlen könnte. Dabei sollten sie sich vielleicht an den Veggie Day erinnern.

Kommentar von Heiner Effern

Das Verbot hat gerade Konjunktur, insbesondere das Fahrverbot. Seit sich die Politik entschlossen hat, nach jahrelangem Zusehen die Bürger nun doch vor Stickstoffdioxid zu schützen, droht Dieselautos das Aus in den Städten. Alle betonen, dass dies das letzte Mittel sei, aber die Drohung steht, auch nach dem Autogipfel in Berlin. Angesichts der verschmutzten Luft und der drohenden Krankheiten schlucken sogar Dieselfahrer, die einen Wertverlust ihres Autos fürchten und möglicherweise ein neues kaufen müssen, diese Diskussion mehr oder weniger grummelnd.

Die Münchner Grünen glauben aber offensichtlich, dass ein Fahrverbot alleine sich einsam fühlen könnte. Also bringen jetzt Bundestagskandidat Dieter Janecek und Florian Roth, Vorsitzender der Stadtratsfraktion, einen Bann für zu laute Fahrzeuge in die Diskussion ein. Lärm sei ja auch eine Gesundheitsgefahr.

Dabei soll es aber nicht um Güterzüge, Lastwagen, Müllautos, Motorräder oder Trambahnen gehen, sondern um die teuren SUV, Sportwagen oder solche Autos, die ihre Besitzer mit technischer Hilfe zu Pseudo-Sportwagen aufmotzen wollen. Das klingt nach einem politischen Selbstläufer: Wer außer der FDP mag schon Fahrer von lächerlich riesigen Edel-Geländewagen verteidigen, deren höchste Herausforderung in der Stadt das Überqueren von Trambahnschienen ist?

Diesen Fahrzeugen könnte man die Einfahrt in die Stadt verbieten, oder den Eigentümern in den Lizenzgebieten das Recht auf Anwohnerparkplätze wegnehmen, sinniert Janecek in einem "Diskussionspapier". Und wo er gerade bei Verboten ist, fällt ihm auch noch Paragraf 30 der Straßenverkehrsordnung ein, der inszenierten Verkehrslärm bei der Benutzung von Kraftfahrzeugen untersage. Also den Gasfuß, das Röhren. Bußgeld: zehn Euro. "Lächerlich niedrig", findet Janecek, trotzdem könnte die Polizei da schärfer kontrollieren.

Ins Vergessen geriet bei ihm und Roth wohl der grüne Rohrkrepierer um den Veggie-Day, als die Partei den Kantinenessern einmal in der Woche fleischfreie Kost vorschreiben wollte. Das Echo hat damals schon gezeigt: Zu viel Zwang zum vermeintlich Guten schätzt der Wähler nicht. Hinter einem Verbotsrausch lauert immer auch ein schmerzhafter Kater.

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